Haenel-Gewehr
Gewehr der AR-15-Klasse von Haenel: Verteidigungsministerium entscheidet gegen Heckler&Koch Foto: picture alliance/Daniel Karmann/dpa
Abkehr von Heckler&Koch

Waffenhersteller Haenel soll neue Bundeswehr-Sturmgewehre liefern  

BERLIN. Das Verteidigungsministerium hat entschieden, Sturmgewehre für die Bundeswehr künftig von der Thüringer Waffenschmiede C.G. Haenel zu beziehen. Das Unternehmen gehört zur Merkel-Gruppe, die Teil der Tawazun Holding mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist. Die Firma sei nach der abgeschlossenen Auswertung des Vergabeverfahrens als Ausschreibungssieger hervorgegangen, der Auftrag müsse aber noch parlamentarisch gebilligt werden, teilte das Bundesverteidigungsministerium am Dienstag mit. Der Auftrag beläuft sich auf 120.000 Sturmgewehre. Das Investitionsvolumen beträgt rund 250 Millionen Euro.

Fast 60 Jahre lang hatte Heckler&Koch die Truppe mit Sturmgewehren beliefert, einschließlich des aktuellen Modells G36. Bereits 2015 hatte die damalige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) über Mängel bei der Schußwaffe geklagt und angekündigt, diese nicht mehr einzusetzen. Befragte Soldaten hatten jedoch keine Probleme mit dem Sturmgewehr festgestellt.

Das Sturmgewehr MK556 (Kaliber 5,56mm) von Haenel habe sich in den Tests als technisch etwas besser und im Angebot „wirtschaftlicher“ erwiesen, begründete das Verteidigungsministerium den Obleuten des Verteidigungsausschusses die Entscheidung, wie die Nachrichtenagenur dpa berichtete. „Womöglich wurde mit staatlicher Unterstützung aus den Emiraten ein unschlagbarer Preis geboten“, sagte zudem ein Insider, der anonym bleiben möchte, der Welt. 

Grünen-Politiker fordert Transparenz

„Natürlich werden wir uns im Haushaltsausschuß sehr genau anschauen, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner, dem Spiegel. Er erwarte von dem Ministerium, alle Kriterien der Auswahlentscheidung transparent zu machen.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte die Ausschreibung 2017 gestartet. Haenel war dabei eine Außenseiterposition eingeräumt worden, weil das Unternehmen bislang keinen größeren Streitkräfteverband mit einem Sturmgewehr ausgerüstet hatte. Die Thüringer Firma liefert der Bundeswehr aber bereits ein Scharfschützengewehr. Eine halbautomatische Version des Sturmgewehrs MK556 ist außerdem bei der sächsischen Polizei im Einsatz. (zit)

Gewehr der AR-15-Klasse von Haenel: Verteidigungsministerium entscheidet gegen Heckler&Koch Foto: picture alliance/Daniel Karmann/dpa

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