Meinungseinschränkung durch politische Korrektheit Foto: picture alliance / PantherMedia
Fast jeder Zweite sieht Meinung durch politische Korrektheit eingeschränkt Foto: picture alliance / PantherMedia
Meinungseinschränkung

Fast jeder zweite Deutsche von politischer Korrektheit eingeschüchtert

ERFURT. Die Hälfte der Deutschen hat das Gefühl, er könne wegen der politischen Korrektheit nicht mehr seine vollständige Meinung äußern. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der evangelischen Nachrichtenagentur Idea ergab, glauben 45 Prozent der Bürger, nicht mehr alles sagen zu dürfen.

Demgegenüber gaben 32 Prozent der Befragten an, in ihrer Meinungsäußerungsfreiheit nicht eingeschränkt zu sein. 14 Prozent antworteten mit „Weiß nicht“, neun Prozent machten keine Angabe. Männer fühlen sich der Erhebung zufolge öfter in ihrer freien Meinungsäußerung beschnitten (48 Prozent) als Frauen (43 Prozent).

Am stärksten verbreitet ist das Gefühl mit 49 Prozent demnach in der Altersgruppe der 40- bis 49jährigen. Am wenigsten eingeschränkt fühlen sich 18- bis 29jährige (35 Prozent). Bei den über 60jährigen teilt mit 47 Prozent fast jeder Zweite diese Sicht. Auch hinsichtlich der neuen und alten Bundesländer gibt es Unterschiede. So fühlen sich in den östlichen Ländern 50 Prozent durch politische Korrektheit eingeschüchtert, in den westlichen dagegen 45 Prozent.

AfD-Anhänger fühlen sich am meisten eingeschränkt, Grüne am wenigsten

Ebenso zwischen den Wählergruppen unterscheiden sich die Ergebnisse deutlich. Vor allem Anhänger der AfD (81 Prozent) sind der Ansicht, sie könnten sich nicht frei äußern. Unter den FDP-Wählern sind es 63 Prozent, bei SPD-Anhängern 45 Prozent und bei Wählern von CDU/CSU 41 Prozent. Am geringsten ausgeprägt ist die gefühlte Meinungseinschränkung bei Linkspartei-Anhängern (31 Prozent) und dem Grünen-Milieu (26 Prozent).

Anlaß für die Befragung war laut Idea ein offener Brief in der US-Zeitschrift Harper‘s Magazine. Mehr als 150 prominente Schriftsteller und Publizisten hatten darin kürzlich vor einem zunehmenden Klima der Intoleranz in der Gesellschaft gewarnt. Unter anderem hieß es in dem Brief, die Forderung nach mehr Gleichheit und Integration führe immer häufiger dazu, daß eine offene Debatte zugunsten „ideologischer Konformität“ unterdrückt werde.

US-Journalisten kündigen oder werden entlassen

Zuvor waren vor dem Hintergrund der Black-Lives-Matters-Proteste mehrere Journalisten von ihren Posten zurückgetreten beziehungsweise entlassen worden, weil sie sich aktuell oder in der Vergangenheit kritisch und angeblich rassistisch geäußert oder verhalten haben sollen.

Am gestrigen Mittwoch veröffentlichte die Journalistin Bari Weiss ihr Kündigungsschreiben an die New York Times. Die ehemalige Meinungsredakteurin des Blatts begründete ihren Schritt damit, daß in der Zeitung ein freier Austausch verschiedener Meinungen ihrer Ansicht nach nicht geduldet werde. Sie sei mit dem Auftrag angestellt worden, die Stimme von Vertretern der politischen Mitte und Konservativen einzuholen. Dem könne sie aufgrund der Intoleranz der Redaktion nicht gerecht werden, schrieb sie in der Kündigung, die sie auf ihrer Internetseite veröffentlichte. (Idea/ls)

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