Abrechnung mit eigener Partei

Wagenknecht: Bin in Nazi-Ecke gestellt worden

BERLIN. Sahra Wagenknecht hat sich nach ihrem angekündigten Rückzug vom Vorsitz der Linksfraktion im Bundestag über die Behandlung durch Parteifreunde beklagt. Auf die Frage im Stern-Interview, was sie besonders verletzt habe, antwortete Wagenknecht: „Wenn man mich in die Nazi-Ecke stellt, meine Auffassungen als nationalistisch oder gar rassistisch diffamiert. So etwas ist einfach niederträchtig.“

Als Politikerin habe sie versucht, der Außenwelt weiszumachen, daß sie einen Panzer habe. „Es soll ja niemand wissen, wo und wie sehr man verletzbar ist.“ Vergangene Woche hatte Wagenknecht angekündigt, bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands im Herbst nicht mehr zu kandidieren.

Zwei Konzepte linker Politik

Offiziell begründete sie dies damit, sich „ausgebrannt“ zu fühlen. „Politik ist schon eine Schlangengrube“, sagte sie jetzt dem Magazin. Echte Freundschaften könnten in diesem Klima nicht entstehen. Sie sei froh, in Zukunft bestimmte Auseinandersetzungen nicht mehr führen zu müssen. „Insoweit fühle ich mich wirklich befreit.“

Für ihre Partei findet Wagenknecht mahnende Worte. „Es gibt zwei Konzepte linker Politik“, erklärte sie. „Entweder man konzentriert sich auf die akademisch geprägten großstädtischen Milieus“ wie es die Parteiführung in den vergangenen Jahren getan habe.

„Oder man bemüht sich um die abstiegsbedrohte Mittelschicht und die Ärmeren.“ Sie betonte: „Eine Linke, die von den Menschen, denen der Raubtierkapitalismus am übelsten mitspielt, nicht mehr gewählt wird, hat ihre Seele verloren.“ (tb)

Die Vorsitzende der Linksfraktion, Sahra Wagenknecht Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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