Zustand von Straßen und Brücken

Nato-General beklagt Zustand der deutschen Infrastruktur

NORFOLK. Der ranghöchste deutsche Nato-General, Manfred Nielson, hat den Zustand der Infrastruktur in Deutschland bemängelt. „Das militärische Großgerät, mit dem wir heute Panzer und andere Fahrzeuge transportieren, ist schwerer geworden“, erklärte er im Interview mit der Welt.

Er habe daher die Sorge, daß viele Straßen und Brücken hierzulande diesen Belastungen nicht mehr standhielten. „Hier rächt sich, daß wir uns mehr als 20 Jahre um solche Aufgaben nicht ausreichend gekümmert haben“, beklagt er. Deutschland habe eine Infrastruktur, „die auch jenseits militärischer Bedürfnisse teilweise wirklich miserabel ist“.

Kritik an der Bahn

Grund dafür sei auch die lange Dauer von Infrastrukturprojekten. Innerhalb von zwei Jahren bekomme man hier nichts hin, kritisierte der Admiral. „Wenn wir unsere militärischen Fahrzeuge aus dem Norden in den Süden Deutschlands bewegen wollen, müssen wir gezielt geeignete Brücken und Transportwege suchen.“ Zudem müsse dies jedes Bundesland genehmigen. Ein Transport von Nord- nach Süddeutschland innerhalb eines Monats gelte daher bereits als schnell.

Auch gegenüber der Deutschen Bahn sparte Nielson nicht mit Kritik. „Wenn wir mit nur fünf Tagen Vorwarnzeit Panzer und Fahrzeuge innerhalb Deutschlands transportieren wollen, kann die Bahn dies derzeit nicht leisten.“ Sie brauche dafür in der Regel 36 Tage Vorbereitungszeit. Zugleich mahnte er die Politik, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. „Wenn ein politischer Wille da ist, geht das auch.“ Für die Bewältigung der Asylkrise seien auch 20 Milliarden zur Verfügung gestellt worden, „die anfangs in keiner Haushaltsplanung enthalten waren“.

Das Dilemma verdeutlicht Nielson anhand eines Zahlenbeispiels. „Als ich 1973 Soldat wurde, hatte die Bundeswehr 2.000 Panzer. Heute sind es rund 200. Vor 40 Jahren hatte die Marine rund 200 einsetzbare Schiffe und Boote. Heute sind es nur noch weniger als 50 Einheiten.“ (tb)

Fahrbahnschaden auf der A1 vor Bargteheide Foto: picture alliance/ dpa

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