Blumen und Kerzen am Tatort in Chemnitz Foto: picture alliance/Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa
Sachsen

Tödliche Messerattacke: Bundesregierung verurteilt „Hetzjagden“

CHEMNITZ/BERLIN. Die Bundesregierung hat die Demonstrationen nach einer tödlichen Messerattacke in Chemnitz scharf verurteilt. „Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Die Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig (SPD), hatte zuvor empört auf die Demonstrationen reagiert. „Wenn ich sehe, was sich in den Stunden am Sonntag hier entwickelt hat, dann bin ich entsetzt“, sagte Ludwig dem MDR. „Daß es möglich ist, daß sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm.“

Stadtsprecher Robert Gruner erläuterte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa: „Wir sind erschrocken über die Menschenansammlungen, die passiert sind.“ Die Stadt habe friedlich ihr Jubiläum feiern wollen. Es habe sich jedoch gezeigt, daß es richtig war, die Feier statt wie geplant um 20 Uhr bereits um 16 Uhr zu beenden. Als Grund dafür gab die Stadt Sicherheitsbedenken an. Zunächst hatte es geheißen, das Fest werde aus Pietätsgründen abgebrochen.

Tödlicher Messerattacke nach Stadtfest

Hintergrund ist eine tödliche Messerattacke nach dem zweiten Tag des Stadtfestes in der Nacht zu Sonntag. Dabei kam ein 35 Jahre alter Deutscher ums Leben. Zwei weitere Deutsche wurden schwer verletzt. Nach Polizeiangaben führte ein zunächst verbaler Streit zu der Auseinandersetzung zwischen Personen „unterschiedlicher Nationalität“.

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Die Polizei dementierte jedoch erste Nachrichten, wonach die Deutschen einer Frau zu Hilfe geeilt seien, die sexuelle belästigt worden war. Sie bestätigte aber die Festnahme eines 22- und 23jährigen, die sich während der Fahndung vom Tatort entfernt hätten. Zu deren Herkunft machten die Beamten keine Angaben, da noch nicht geklärt sei, ob sie überhaupt mit dem Vorfall in Verbindung stünden.

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Totschlags. An der Auseinandersetzung waren den Ermittlern zufolge bis zu zehn Personen beteiligt. Berichte, wonach es ein zweites Todesopfer gegeben haben soll, konnten nicht bestätigt werden, sagte eine Polizeisprecherin am Montag morgen der Freien Presse.

Laut dem Verein zur Beruflichen Förderung und Ausbildung in Chemnitz handelt es sich bei dem Toten um den ehemaligen Tischlerlehrling Daniel H.

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Spontandemonstrationen gegen Ausländergewalt

Am Sonntag demonstrierten rund 1.000 Personen gegen Ausländergewalt. Gegen 15 Uhr versammelten sich zunächst rund 100 Demonstranten zu einer Kundgebung der AfD. Laut Polizei verlief sie ohne Zwischenfälle. Anschließend folgten dem MDR zufolge 800 bis 1.000 Personen einem Aufruf der Ultra-Vereinigung Kaotic Chemnitz unter dem Motto „Zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat“.

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben mehrfacht versucht, die Demonstration zu stoppen. „Die Personengruppe reagierte nicht auf die Ansprache durch die Polizei und zeigte keine Kooperationsbereitschaft“, teilten die Beamten mit. Unter den Teilnehmern befanden sich nach Angaben eines Reporters von Zeit Online viele Jugendliche sowie Familien mit Kindern.

Aus der Menge sei „Ausländer raus“, „Wir sind das Volk“ und „Das ist unsere Stadt“ gerufen worden. Anschließend hätten mehrere Demonstranten auf ausländisch aussehende Personen eingetreten. Linksextreme Gruppen verbreiteten in sozialen Netzwerken die Nachricht, es habe eine „Jagd auf Migranten“ gegeben.

Die Polizei bearbeitet vier Anzeigen in diesem Zusammenhang. Dabei handele es sich um zwei Fälle von Körperverletzung, eine Bedrohung und eine Anzeige wegen Widerstands gegen Polizisten. In sozialen Medien kursiert ein weiterer Demonstrationsaufruf für den heutigen Montag. (ls)

Blumen und Kerzen am Tatort in Chemnitz Foto: picture alliance/Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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