Vorwurf des Landfriedensbruchs

Staatsanwaltschaft erläßt Haftbefehle gegen Gambier

DONAUWÖRTH. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat Haftbefehle gegen 30 Asylbewerber wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch erlassen. Bei den Personen handelt es sich größtenteils um Staatsbürger Gambias im Alter zwischen 17 und 33 Jahren. Sie hatten am Mittwoch versucht, die Abschiebung eines abgelehnten Asylbewerbers aus ihrer Aufnahmeeinrichtung im nordschwäbischen Donauwörth mit Gewalt zu verhindern.

Nach Angaben der Polizei zertrümmerten sie zahlreiche Fensterscheiben und Teile der Einrichtung. Zudem bewarfen sie die Polizisten mit Gegenständen. Ein Asylbewerber soll sich einem Polizisten mit einer Eisenstange entgegengestellt haben. „Die Stimmung war insgesamt sehr aggressiv und angeheizt“, sagte Polizeisprecher Siegfried Hartmann laut Südwestpresse.

Mitarbeiter haben sich aus Angst eingeschlossen

Die Mitarbeiter der vor Ort tätigen Malteser hätten sich in der Rezeption eingesperrt, weil sie mögliche Übergriffe der Bewohner fürchteten. Sie seien anschließend von Sicherheitskräften evakuiert worden. Der bayerische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Nachtigall, sprach von „regelrechten Revolten“, die in Donauwörth abliefen.

Das Verhalten einiger Asylbewerber sei „völlig indiskutabel“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Hier bei uns einerseits Schutz und Sicherheit zu suchen, aber andererseits gleichzeitig derartige Randale zu veranstalten und unser Rechtssystem zu mißachten, geht gar nicht.“

Bereits im Februar hatten rund 150 mehrheitlich aus Gambia stammende Asylbewerber in Donauwörth den Zugverkehr zum Erliegen gebracht. Am Rosenmontag hatten sie zunächst in ihrer Unterkunft randaliert, die Einrichtung der Kantine beschädigt und sich aggressiv gegenüber den Einsatzkräften verhalten.

„Nazis, Nazis“

Am späten Nachmittag waren die Afrikaner dann zum Bahnhof weitergezogen. Dort skandierten sie „Nazis, Nazis“, hielten eine Bettdecke mit der Aufschrift „Justice we need“ (Wir brauchen Gerechtigkeit) hoch und verlangten ihre Ausreise nach Italien. Sogar aus dem eineinhalb Stunden entfernten Nürnberg forderten die schwäbischen Beamten Verstärkung an. Aus Sicherheitsgründen mußte die Polizei die Gleise sperren.

Der Zugverkehr zwischen Augsburg und Nürnberg sowie Ingolstadt und Ulm kam zeitweise völlig zum Erliegen. Der Donauwörther Polizeichef Thomas Scheuerer sagte mit Blick auf die Asylbewerberproblematik in seiner Stadt der Augsburger Allgemeinen: „Ich könnte mein Personal jetzt nurmehr dafür verwenden, sich mit dieser Thematik zu befassen – ich muß das realistisch so sagen.“ (tb)

Polizeieinsatz wegen Asylbewerberkrawalle im Februar in Donauwörth Foto: picture alliance/ dpa

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