Markus Krall Freiheit oder Untergang
Demo
„Revolutionäre 1. Mai Demonstration“ in Berlin Foto: picture alliance/dpa

1. Mai
 

Die Revolution bleibt aus

Beim Aufbau einer Kiezkommune mag die Jugend von heute nicht mehr so recht mithelfen. Und sich widerständig und solidarisch im Alltag zu zeigen, ist auch nicht so ihr Ding. Die alljährliche Randale-Sause in Kreuzberg schauten sich die mit teuren Cocktails abgefüllten Hipsters doch lieber fröhlich schunkelnd auf Bierbänken stehend vom Straßenrand an.

Die diesjährigen Demos rund um den 1. Mai in Berlin wurden für die Linksextremen ein Desaster: Mit der Spaßgesellschaft ist einfach kein revolutionärer Staat zu machen.

Ein kurzer Rückblick auf den Beginn der Berliner Maifestspiele: „Los! Ab nach Hause. Geht ins Bett. Morgen wird ein spannender Tag.“ Punkt 18.58 Uhr verabschiedete so der Sprecher aus dem Demofahrzeug seine Schwestern und Brüder im Geiste. Das Ende der Antikapitalistischen Demonstration im Wedding am 30. April 2018. „Alles blieb friedlich“, wird die Polizei später resümieren.

Geordneter Rückzug

Die Mahnung, in die Heia zu schlüpfen, um am nächsten Morgen fit fürs Marschieren auf den diversen Demonstrationen zu sein, wird von den Linksautonomen mit einem schiefen Grinsen und dem Schütteln ihrer rastabezopften Köpfe quittiert. Aber sie tun, wie ihnen geheißen: geordneter Rückzug.

Kaiserwetter am 1. Mai, dem Tag der Arbeit. Es soll– angeblich – um Themen wie steigende Mieten, die Verdrängung durch Reiche und Antisemitismus gehen. Die Themen soll, so berichtet die FAZ, die 2005 gegründete linksextremistische Interventionistische Linke (IL) vorgeben. Reinste Rhetorik.

Statt kämpferisch und solidarisch für die Belange der Lohnarbeiter auf die Straße zu gehen, marschieren 120 Palästinenser und geifern ihren Judenhaß auf die Straße. Eine Art Spaßguerilla tappelt 3.000 Mann stark in den Grunewald, um dort lebenden Reichen wie Joschka Fischer und Wolfgang Schäuble einen Besuch abzustatten. Als Ausdruck ihrer Kritik an der Stadt der Reichen werden Autos besprüht.

Alkoholisierte Partyguerilla

Mittags flanieren die ersten Partymacher über das MyFest in Kreuzberg und drängeln zum „Görli“. Die Veranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Görlitzer Bahnhofs ist den Linksextremen ein Dorn im Auge. Im Internet wird lautstark zum Sturm auf das abgesperrte Partyfeld geblasen – in der Realität bleibt es beim Aufruf. Jeder Versuch, auf das Party-Gelände zu gelangen, wird von der Polizei unterbunden.

Dafür sorgen knapp 5.100 Polizisten, die in Berlin im Einsatz sind. Nicht nur in Kreuzberg und im Grunewald – auch in Pankow. Hier hat die AfD zum Bürgerfest geladen. „Es ist auf der einen Seite bedauerlich, daß unser Bürgerfest von der Polizei abgesichert werden mußte“, sagt Karsten Woldeit, Vize der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus zur JUNGEN FREIHEIT. „Auf der andere Seite gilt mein Dank natürlich den Beamten, und ich bin froh, daß es keine Ausschreitungen gab.“

Um 18. 30 Uhr startet die nicht angemeldete linksextremistische Demo am Oranienplatz. Die Nichtanmeldung ist eine in den vergangenen Jahren schon exerzierte Form des „Widerstandes gegen Bullenstaat und Repression“. 1.500 Anarchisten, Kurden und Brutalos des Schwarzen Blocks starten am Oranienplatz. Ihre Signale: Silvesterraketen, Böller und Nebeltöpfe. An der Skalitzer Straße ist dann Schluß mit der „Revolutionären 1. Mai Demo“. Die Beamten haben weiträumig abgesperrt. Rund 6.000 Revoluzzer lösen sich im Strom der nun schon bis zur Oberkannte abgefüllten Partyguerilla auf.

Klare Fehleinschätzung

Auch die Bilanz der Polizei ist rundweg positiv. Polizeipräsidentin Barbara Slowik, erst seit drei Wochen im Amt: „Unser Einsatzkonzept ist voll aufgegangen. Ich danke den Einsatzleiterinnen und Einsatzleitern und insbesondere den Kräften auf der Straße für ihr professionelles und umsichtiges Handeln. Allen Verletzten wünsche ich eine schnelle und vollständige Genesung.“

Auch die Nacht blieb weitgehend ruhig. Lecken sich die Linksextremisten die, durch ihre Fehleinschätzung der revolutionären Unterstützung durch die bourgeoise Spaßgesellschaft, selbstzugefügten Wunden? Oder wollen sie Polizei und Verfassungsschutz in falscher Sicherheit wiegen?

Schließlich sind vom 10. bis 13. Mai von den Linksanarchisten die Diskussions- und Chaostage ausgerufen.

„Revolutionäre 1. Mai Demonstration“ in Berlin Foto: picture alliance/dpa
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