Schreiben nach gehör
Schüler bei den Hausaufgaben: Schreiben nach Gehör soll wieder abgeschafft werden Foto: picture alliance /dpa

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FDP will „Schreiben nach Gehör“ abschaffen

HAMBURG. Die FDP-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft hat sich für Abschaffung des „Schreibens nach Gehör“ ausgesprochen. Es müsse ein „wirksames Verbot in Form einer Verordnung“ gegen die umstrittene Lernmethode erlassen werden, sagte die Schulexpertin der Fraktion, Anna von Treuenfels-Frowein, der Welt.

Bereits vor vier Jahren hatte Hamburgs Schulsenator Thies Rabe (SPD) alle Schulen der Hansestadt angewiesen, das „Schreiben nach Gehör“ nicht mehr anzuwenden. Laut aktuellen Erkenntnissen der FDP wird diese Direktive aber an mehreren Schulen nicht umgesetzt.

Von drei Fällen hat auch die Schulbehörde Kenntnis, sieht darin nach eigenen Angaben jedoch kein Problem. Auch an diesen Schulen finde ab Klasse eins „ein systematisch aufgebauter Rechtschreibunterricht“ statt. Von Treuenfels-Frowein kritisierte, daß die Behörde offenbar nicht darüber informiert sei, „was sich an den Schulen tatsächlich abspielt“.

„Diktate sind kein Teufelszeug“

Bereits in der vergangenen Woche hatte die nordrhein-westfälische Kultusministerin Yvonne Gebauer (FDP) verlauten lassen, das „Schreiben nach Gehör“ müsse begrenzt und der Rechtschreibunterricht verbindlicher werden. In Berlin hatte die CDU-Bildungsexpertin Hildegard Bentele zuletzt gefordert, das „Schreiben nach Gehör“ zu „eliminieren“: Diktate seien „kein Teufelszeug“.

Das „Schreiben nach Gehör“, auch als „Lesen durch Schreiben“ bekannt, soll Kindern das Lesenlernen erleichtern. Dabei dürfen die Schüler zunächst nach Gehör schreiben, ohne von Lehrkräften korrigiert zu werden.

Hintergrund der aktuellen Debatte sind kürzlich veröffentlichte Zahlen der sogenannten „IQB-Bildungstrend“-Studie, nach denen Grundschüler insbesondere bei den Deutschkenntnissen große Defizite aufweisen. (ser)

Schüler bei den Hausaufgaben: Schreiben nach Gehör soll wieder abgeschafft werden Foto: picture alliance /dpa
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