Haßsprache

AfD-Eltern Schuld an verrohter Jugend?

„Du Opfa, isch mach disch Messa!“ – „Verpiss disch, du Hurensohn!“ Von Sätzen, die so oder so ähnlich auf Tausenden deutschen Schulhöfen zwischen Hamburg und München zu hören sind, kann jeder Lehrer leidvoll berichten. Eine aggressive, haßerfüllte Sprache verbreite sich in den Schulen, warnt nun auch die Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbandes BLLV, Simone Fleischmann.

Das Thema schwelte schon lange, aber die Lehrer, die die Verbalinjurien aus heiseren Kehlen täglich im Ohr haben, haben ihren Unmut nun erstmals schriftlich zum Ausdruck gebracht. „Wir beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern“, heißt es in ihrem Manifest, das den Titel trägt: „Haltung zählt“.

Bundesweite Zunahme der Gewalt

Der ungehobelte Zungenschlag der erwachsenen Gesellschaft schlage sich dann im Pausenhof nieder, stellen die Lehrer fest: „Diese Verrohung des Umgangs wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus.“ Nicht nur in Bayern sondern bundesweit habe die verbale und nonverbale Gewaltbereitschaft zugenommen, „und zwar im quantitativen und auch um qualitativen Sinn“. Wenn es zu Gewalt komme, dann sei sie auch roher geworden, skizziert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, die Lage.

Die bayerischen Lehrer indes, zumindest diejenigen, die im Manifest zu Wort kamen, haben den Schuldigen für die sprachliche und allgemeine Verrohung der deutschen Jugend bereits identifiziert: „Extreme Gruppierungen und Personen, insbesondere Repräsentanten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen, tragen zu dieser Verrohung des Umgangs maßgeblich bei.“

Unglaublich gefährlich sei der Ton aktueller politischer Debatten, wenn etwa Politiker offen darüber reden, als Ultima Ratio auf Flüchtlinge zu schießen, zeigte sich Fleischmann betroffen. Aber wirklich problematisch werde es, wenn Eltern selbst am Frühstückstisch rassistische Haßparolen von sich gäben.

Rassistische Eltern am Frühstückstisch

Im Klartext heißt der Vorwurf des BLLV: AfD-Politiker und rechtsradikale Eltern sind für die sexualisierte Fäkalsprache unter den Schülern verantwortlich. Man sieht sie förmlich vor sich, die verrohten deutschen Blondschöpfe, wie sie „isch fick deine Mudda“ rufen.

Apropos blond: Das Apothekenblättchen „Baby und Familie“ berichtete neulich auch schon von Nazi-Eltern, die Kitas unterwandern. Anhand von kolorierten Bildern von blonden Müttern und ihren blonden Kindern warnte im Interview die Leiterin der Fachstelle Gender und Rechtsextremismusprävention der Amadeu-Antonio-Stiftung, Heike Radvan, vor diesen rechten Eltern: Deren Kinder „fallen manchmal erst nach längerer Zeit auf, zum Beispiel weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind“.

Ja, was denn nun?

Familie am Esstisch Foto: picture-alliance/Denkou Images

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.

aktuelles

All articles loaded
No more articles to load