Kritik an Asylpolitik

„Ich lasse mir den Mund von niemandem verbieten“

BERLIN. Der Fall hatte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Der Görlitzer Unternehmer Winfried Stöcker weigerte sich, sein Jugendstilkaufhaus für ein Benefizkonzert für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. Es war seine Art des Protests gegen Asylmißbrauch.

Afrikaner aus sicheren Herkunftsländern sollten lieber in ihrer Heimat für einen höheren Lebensstandard sorgen. Außerdem wolle er „in 50 Jahren keinen Halbmond auf dem Kölner Dom“, begründete der Mediziner seine Ablehnung damals bewußt provokant, um „die Bedenken der schweigenden Mehrheit über die aktuelle Asylpolitik zum Ausdruck“ zu bringen. Schließlich müsse man zuspitzen, um wahrgenommen zu werden.

„Unterricht in Pharisäertum“

Wahrgenomen wurde Stöcker. Unter anderem von der Universität Lübeck, an der Stöcker Honorarprofessor für Labormedizin ist und sein Unternehmen Euroimmun mehrere Projekte fördert. Genauer gesagt: förderte. Denn der Rektor der Universität, Hendrik Lehnert, sah sich nach Stöckers Äußerungen zu einer öffentlichen Erklärung veranlaßt.

Darin hieß es unter anderem: „Toleranz, Weltoffenheit und ein klares Bekenntnis zu multikulturellem Denken und Handeln sind unveräußerliche Werte unserer Campus-Kultur.“ Von dem Gedankengut Stöckers „distanzieren wir uns daher auf das Nachdrücklichste“.

Wer nun erwartete, der Kritisierte würde zurückrudern und klein beigeben, der kannte offenbar Stöcker nicht. Denn der reagierte mit einer „klaren Ansage“, wie er es in einer Pressemitteilung formulierte. Und die hatte es in sich. Stöcker warf dem Rektor „Unterricht in Pharisäertum“ vor sowie, sich an „Nichtigkeiten“ zu stören. Deswegen sei er zu der Entscheidung gekommen: „Euroimmun wird der Universität freiwillig keine Mittel mehr zur Verfügung stellen, solange dieser Präsident im Amt ist.“

„Ich bin ein freier Mensch“

Stöckers Kaufhaus in Görlitz: „Keine Willkommenskultur für Wirtschaftsflüchtlinge“ Foto: picture alliance/ZB/dpa
Stöckers Kaufhaus in Görlitz: „Keine Willkommenskultur für Wirtschaftsflüchtlinge“ Foto: picture alliance/ZB/dpa

Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT verteidigte der Unternehmer den Schritt, jegliche finanzielle Unterstützung für die Uni zu streichen. „Ich lasse mir den Mund von niemandem verbieten. Von keinem Präsidenten, Journalisten oder Politiker. Es ist mein Recht, meine Meinung zu sagen. Ich bin ein freier Mensch.“

Stöcker fühlt sich falsch verstanden und ungerecht behandelt. Von der Universität und ihrem Rektor hätte er erwartet, daß sie andere Meinungen ertrage und toleriere. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Deswegen werde er sich mit seinem Unternehmen nun eben neue Kooperationspartner suchen, zum Beispiel an der Technischen Universität Dresden und in Mecklenburg-Vorpommern.

„Wir sind nicht auf die Zusammenarbeit mit der Universität Lübeck angewiesen. Wir sind international gut aufgestellt und unterhalten weltweit 150 Kooperationen“, betont Stöcker. Der Personalbedarf für sein mittlerweile immerhin 2.000 Mitarbeiter beschäftigendes Unternehmen lasse sich auch anderswo als in Lübeck decken.

Viel Zustimmug

Geschadet hat der ganze Vorgang Stöcker nicht. Seine Firma habe im Januar und Februar den Umsatz um rund 30 Prozent gesteigert, erzählt er. Auch erhalte er zahlreiche Zuschriften aus ganz Deutschland, in denen sich Bürger bei ihm für seine klaren Worte und seine Haltung bedankten. Stöcker, so der Tenor, habe ihnen „aus dem Herzen gesprochen“.

Dennoch, sagt er nachdenklich, habe ihn die Geschichte ziemlich beschäftigt. Auf 15 Din-A4-Seiten hat er sich deshalb seinen Ärger von der Seele geschrieben. Sie tragen die Überschrift „Gesinnungsterror in Fragen zur Asylpolitik“. Stöcker weist darin nochmals darauf hin, daß „Großzügigkeit gegenüber Wirtschaftsflüchtlingen“ nicht angebracht sei, da diese das deutsche Rechtssystem unterliefen.

„Willkommenskultur“ für den eigenen Nachwuchs

„Über die Hälfte der Bewohner Deutschlands betrachtet das als Nötigung und hat dafür kein Verständnis“, betont der Unternehmer. Die Bürger sorgten sich, daß Deutschland sein Erbe verspiele, wenn die Tore bedingungslos geöffnet würden. „Musterdemokraten“ stehe es aber nicht zu, deswegen Andersdenkenden ihr Weltbild aufzuzwingen und diese als sittlich unterlegen zu brandmarken.

„Alles was wir und unsere Vorfahren in den letzten Jahrhunderten errungen haben, scheint durch Überfremdung in Gefahr – das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Religionsfreiheit, das Selbstbestimmungsrecht, die Gleichberechtigung der Frau, das Wahlrecht und die religionsunabhängige Jurisdiktion.“

Deutschland brauche keine fremde Hilfe, um beispielsweise die Renten zu finanzieren. Statt dessen, schlägt Stöcker vor, solle man lieber eine „‘Willkommenskultur’ für eigenen Nachwuchs entwickeln“.

Winfried Stöcker: Der Unternehmer und Wissenschaftler will sich den Mund nicht verbieten lassen Foto: picture alliance/dpa

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