Pädophilie-Text

Pädophilie-Text: Neue Vorwürfe gegen Volker Beck

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Volker Beck: Hat er über seinen Pädophilie-Text gelogen? Foto: picture alliance/dpa

BERLIN. Der Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hat offenbar die Unwahrheit über seinen umstrittenen Pädophilietext aus dem Jahr 1988 gesagt. Das haben Recherchen von Spiegel Online ergeben.

Beck hatte stets behautet, der Text sei verfälscht worden. Ein nun gefundenes Manuskript des Originalbeitrags zeigt jedoch, daß Becks Aussagen vom Verlag kaum verändert wurden. In dem Aufsatz „Das Strafrecht ändern? Plädoyer für eine realistische Neuordnung der Sexualpolitik“ hatte sich Beck unter anderem für eine „Entkriminalisierung der Pädosexualität“ ausgesprochen. Erschienen war der Beitrag 1988 in dem Buch „Der pädosexuelle Komplex. Handbuch für Betroffene und ihre Gegner“.

Verändert wurden hauptsächlich die Überschriften

Auf seine Internetseite schrieb Beck zu dem Text: „Der damalige Abdruck war nicht autorisiert und im Sinn durch eine freie Redigierung vom Herausgeber verfälscht. Nach meiner Erinnerung ist das Justitiariat der Grünen-Fraktion damals gegen Verlag und/oder Herausgeber vorgegangen: Eine Durchsetzung der Nichtverbreitung war wohl nicht erreichbar, aber eine Neuauflage des Werkes mit diesem Artikel wurde untersagt.“ Unterlagen aus dieser Zeit vor 25 Jahren lägen ihm nicht vor. Heute ärgere er sich, daß er Skripte und andere Unterlagen von damals nicht besser gesichert und aufbewahrt habe.

Spiegel Online entdeckte jedoch jetzt im Archiv der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung ein Manuskript aus dem Schwulenreferat der grünen Bundestagsfraktion, dessen Referent Beck damals war, das „nahezu identisch“ mit seinem Beitrag aus dem Buch „Der pädosexuelle Komplex“ ist. Verändert worden sind hauptsächlich die Überschrift und eine Zwischenüberschrift.

Beck bleibt bei seiner Version

Beck beharrt jedoch darauf, daß der Herausgeber des Buchs den Sinn des Textes durch das Ändern der Überschrift entstellt habe. In einer weiteren Stellungnahme auf seiner Internetseite vom Freitag heißt es: „Das Typoskript bestätigt damit meine Erinnerung, daß der veröffentlichte Beitrag so nicht autorisiert war und im Sinn durch eine freie Redigierung in Überschriften und Textteilen durch den Herausgeber verfälscht wurde. Das Typoskript bestätigt ebenfalls auf beschämende Weise, wovon ich mich bereits mehrfach distanziert habe und was bereits in diversen Interviews vortrug, daß es eine vollkommen falsche Annahme war, daß man theoretisch zwischen gewaltlosen, angeblich ‘harmlosen’ Sexualkontakten mit Zustimmung und gewaltförmigen, schädlichen Sexualkontakten zwischen Erwachsenen und Kindern unterscheiden könne.“

Von dieser falschen Grundannahme sei der Text geprägt. „Dafür entschuldige ich mich jetzt nach Vorliegen des Originalskripts nochmals aufrichtig und distanziere mich erneut. Ich habe meine Gedankengänge von damals wiederholt als ‘unsäglich’, abwegigen ‘Stuß’ und großen Fehler bezeichnet.“

Verlag widersprach Beck bereits Ende August

Auch die JUNGE FREIHEIT hatte Beck mehrfach mit seinem Text konfrontiert. Er wollte sich jedoch nie dazu äußern, an welchen Stellen genau dieser verändert worden sei. Zudem ergaben Recherchen der JF, daß Beck offenbar auch nicht die Wahrheit bezüglich einer verhinderten zweiten Auflage des Buchs gesagt hatte. Dem widersprach Ende August der Foerster Verlag, in dem das Buch seinerzeit erschienen war.

Der Geschäftsführer des Verlags, Joachim Köhler, versicherte gegenüber der JF, er könne sich an keine juristische Auseinandersetzung mit der Grünen-Fraktion erinnern. „Außerdem war gar keine Neuauflage des Buchs geplant. Dazu hätte es ja erst mal vergriffen sein müssen. Das war nicht der Fall. Im Gegenteil, wir haben die restliche Auflage sogar einstampfen lassen.“ (krk)

> JF-Dossier: Die Entzauberung der Grünen

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