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Wikileaks-Enthüllung
 

Lage in Afghanistan gefährlicher als angenommen

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Das eigens für die neue Veröffentlichungsserie von Wikileaks entworfene Logo Foto: Wikileaks

LONDON. Die Gefahren, in denen sich die Bundeswehr in Afghanistan befindet, sind offenbar größer als bislang angenommen. Dies geht aus vertraulichen Emails hervor, die von Wikileaks am Montag veröffentlicht wurden.

In dem brisanten Dokument schildert die Sicherheitsanalystin der Firma Strategic Forecast (Stratfor), Hoor Jangda, am 4. August 2011 ein Gespräch mit einer deutschen Quelle, die als neu und daher schwer einzuschätzen klassifiziert wurde. Es handelt sich laut der Email um einen früheren deutschen Geheimdienstmitarbeiter, der seit neun Jahren Stratfor-Informationen bezieht und sich in Afghanistan auskennt.

Der Geheimdienstmann beschreibt die Situation in Kundus, wo die Bundeswehr stationiert ist, als „schlimmer als in Kabul“. Internationale Hilfsorganisationen könnten sich nur in Eskorte bewegen, wobei vor allem die Amerikaner großen Wert auf bewaffnete Begleiter legten. Die Stadt sei von „Taliban-Gebiet“ umgeben. Auch in der Stadt seien die Taliban präsent.

Handys sind in Kundus nachts ausgeschaltet

Bei einem persönlichen Besuch habe er festgestellt, daß Mobiltelefone nachts nicht benutzbar seien, weil die Taliban deren Abschaltung durchgesetzt hätten. Auch Afghanen, die für westliche Organisationen arbeiten, seien durch die Taliban eingeschüchtert.

Die Bundeswehr sei „dramatisch gescheitert“, beim Versuch die Lage zu stabilisieren. Nur die Amerikaner hielten in der Region den Frieden aufrecht, aber angesichts des angekündigten Abzugs bereiteten sich diverse Fraktionen wie Taliban oder die „korrupte Polizei“ auf die Zeit nach dem Abzug vor. Zu den Gegnern der Nato-Truppen gesellten sich radikalislamische Usbeken und „Heilige Krieger mit deutschen Pässen“, die über die Route Türkei-Iran-Pakistan nach Afghanistan einreisten.

Deutsche Dschihadisten in Afghanistan

Die Email steht in klarem Widerspruch zu bisherigen Verlautbarungen über einen Selbstmordanschlag auf eine Firmenzentrale in Kundus im August 2011. Damals hatten drei Selbstmordattentäter die Firmenzentrale der Sicherheitsfirma Kaboora gestürmt, die für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet und für die Sicherheit des gesamten deutschen Hilfspersonals in Afghanistan verantwortlich sein soll. Die GIZ ist eine Institution des deutschen Entwicklungshilfeministeriums. Kaboora ist ein afghanische Tochter- oder Partnerfirma der privaten deutschen Sicherheitsfirma Lant-Defence.

Von offizieller Seite hieß es nach dem Anschlag, er habe nichts mit der GIZ oder den Deutschen zu tun, sondern habe sich gegen eine afghanische Einrichtung gerichtet. Die Email legt das Gegenteil davon nahe: Die Taliban hätten explizit gesagt, ihr Angriff habe sich gegen die deutsche Geheimdienstzentrale gerichtet, so die anonyme Quelle: „Das läßt keinen Zweifel daran, daß Lant-Defence das eigentliche Angriffsziel war.“ Die private deutsche Firma habe stets enge Kontakte zu deutschen Geheimdienstkreisen gepflegt.

Neue Medienpartner von Wikileaks

Bei dem Selbstmordanschlag waren nach unterschiedlichen Angaben vier bis sechs Personen ums Leben gekommen und weitere zehn verletzt worden. Die Email ist von einem Stratfor-Vorgesetzten mit Vermerk „Gute Arbeit, Hoor“ versehen. Stratfor und Lant-Defence wollten sich über den Inhalt der Email bislang nicht äußern.

Anders als bei den spektakulären Wikileaks-Veröffentlichungen Ende 2010 sind der Spiegel und vier andere führende Zeitungen nicht mehr der bevorzugte Medienpartner von Wikileaks. Statt dessen setzt die Enthüllungsplattform auf die Zusammenarbeit mit 23 weniger prominenten weltweit, darunter der deutsche NDR.

Wikileaks hat am Montag nach eigenen Angaben damit begonnen, fünf Millionen Emails der texanischen Sicherheitsfirma Strategic Forecast (Stratfor) zu veröffentlichen. Stratfor erstellt Berichte für militärische und politische Führungskräfte und wird daher als „privater Geheimdienst“ bezeichnet.

Ende Dezember 2011 waren Hacker der Organisation Anonymous in das Stratfor-Computersystem eingedrungen und hatten Kundendaten kopiert. Damals müssen auch die Emails kopiert worden sein, die von Wikileaks nun veröffentlicht werden. Wikileaks-Chef Julian Assange sagte auf einer Pressekonferenz in London auf den Vorwurf, er nutze geklautes Material: „Wir schützen unsere Quellen.“ Tatsache ist, daß die nun veröffentlichten Emails aus der Zeit bis einschließlich Dezember 2011 stammen. (rg)

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