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Wutsturm
 

Homosexuelle hetzen gegen CSU-Politiker Geis

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Der Grünen-Politiker Volker Beck will sich nicht zu den Angriffen aus der homosexuellen Szene auf Norbert Geis (CSU) äußern Foto: volkerbeck.de/Angelika Kohlmeier

BERLIN. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis hat mit seiner Kritik am Diskussionsstil der Homo-Lobby für heftige Empörung in der homosexuellen Szene gesorgt. Auf dem Nachrichtenportal für Schwule und Lesben, queer.de, griffen Leser den CSU-Politiker in der Kommentarspalte  an und beleidigten ihn massiv.

Geis hatte in einem Beitrag für die JUNGE FREIHEIT beklagt, daß eine sachliche Diskussion über die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe nicht möglich sei, da diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schrien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen könnten.

Wie zur Bestätigung von Geis’ Kritik fielen die Reaktionen auf dem Internetportal für Homosexuelle äußerst drastisch aus: Ob „der alte G(r)eis nicht endlich mal seine demagogische Fresse halten“ könne, fragte ein Leser. Ein anderer erkundigte sich, ob Geis selbst „bisexuell oder auch stockschwul“ sei.

„Verklemmter kleiner Wichser“

„Haben Sie den Drang BHs oder generell Frauenkleider anzuziehen? Oder fühlen sie sich gar von Kindern sexuell angezogen?“ Ein Kommentator mit dem Namen „Thon“ beschimpfte Geis als „Klemmschwester“ und forderte ihn auf, „endlich das Maul“ zu halten. Noch deutlich wurde ein weiterer Leser, der Geis als „verklemmten kleinen Wichser“ bezeichnete, der möglicherweise „Lust auf nen zweiten Schwanz“ habe.

Ein anderer Leser empfahl dem CSU-Politiker, er hätte besser Priester werden sollen. Dann hätte er, „wie viele Paffen, mit seinen Kollegen Sexspielchen treiben oder Meßdiener angrabschen können“. Ähnlich fielen die Reaktionen auf der Facebookseite von queer.de aus. Und auch im Kurzmitteilungsdienst „Twitter“ mangelte es nicht an Haß- und Schmäheinträgen gegen Geis. (Die JUNGE FREIHEIT verzichtet an dieser Stelle darauf, aus den entsprechenden Beiträgen zu zitieren – Die Redaktion.)

Bei queer.de steht man solchen Kommentaren mit gemischten Gefühlen gegenüber: Die Lesermeinungen würden freigeschaltet, wenn sie „nicht zu hart“ seien, sagte ein Redakteur des Portals gegenüber der JF. Die Kommentare spiegelten zwar nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder, generell wolle man sie aber nicht bewerten.

Grünen-Politiker Beck will sich zu Vorgang nicht äußern

Die heftigen Reaktionen könnten allerdings auch am Thema liegen, so der Redakteur. Kaum ein anderes politisches Anliegen werde unter Homosexuellen so emotional diskutiert, wie ihre rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung. „Viele Schwule und Lesben haben von der Politik den Eindruck, ‘die da oben’ wollen uns nicht“, versuchte der Redakteur die Reaktion der Leser zu erklären.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der den Beitrag von queer.de über „Twitter“ empfohlen hatte, wollte sich gegenüber der JF nicht zu den Angriffen auf Geis äußern. Über seinen „Twitter“-Account teilte er jedoch mit, er lese die Kommentare auf queer.de nicht. Später löschte Beck die Mitteilung wieder.

Beck, selbst bekennender Homosexueller, gehört zu den verbalen Scharfmachern, wenn es darum geht, Kritiker einer Gleichstellung von homosexuellen Paaren mit der Ehe, zum Verstummen zu bringen. So bezeichnete er beispielsweise Geis wegen dessen Haltung in der Frage als „verbohrten Ultramontanist“.

Nachdem die CDU-Politikerin und Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche, von ihrer Partei ein klares Bekenntnis zur Ehe und Familie verlangt hatte, forderte Beck Umweltminister Peter Altmaier (CDU) via „Twitter“ auf, auch mal eine Staatssekretärin zu „versenken“. (krk)

> AKTUALISIERT (14.00 Uhr) Mittlerweile hat queer.de reagiert und einige Kommentare gelöscht.

> JF-Fernsehtip: Maybrit Illner: „Zwei Männer und ein Baby – gleiches Recht für Homo-Ehen?“ Unter anderem mit Volker Beck, Katherina Reiche, Hedwig Freifrau von Beverfoerde und Lilo Wanders. ZDF, Donnerstag, 30. August, 22.15 Uhr.