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Justiz
 

Behörde will Verfahren gegen mögliche NS-Täter überprüfen

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Der Dienstausweis von John Demjanjuk: Der Präzedenzfall eröffnet „ein unglaubliches Potential“ Foto: Wikimedia

LUDWIGSBURG. Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen hat angekündigt, hunderte von Ermittlungsverfahren neu aufzurollen. Hintergrund ist die Verurteilung von John Demjanjuk. Das Gericht hatte den ehemaligen Wachmann wegen Beihilfe zur Tötung von mindestens 28.060 Menschen zu fünf Jahren Haft verurteilt, obwohl eine direkte Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden konnte.

Der leitende Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm erhofft sich von dem Präzedenzfall neue Impulse für seine Behörde. Gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press kündigte er die Überprüfung von über tausend Akten an, die in das Schema von Demjanjuk passen könnten. Dabei schätzt er die Zahl der Verdächtigen auf 4.000 Personen.

„Es gibt da ein unglaubliches Potential“

„Sogar wenn nur zwei Prozent der Leute am Leben sind, sprechen wir über achtzig Personen. Und lassen Sie uns annehmen, bei der Hälfte von ihnen reicht der medizinische Gesundheitszustand nicht mehr aus, sie vor Gericht zu bringen, so bleiben uns noch vierzig Personen“, rechnete der leitende Justizbeamte vor. „Es gibt da ein unglaubliches Potential.“

Efraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Zentrum zeigte sich erfreut. „Es könnte ein sehr interessantes letztes Kapitel werden“, sagte der führende „Nazi-Jäger“ der Nachrichtenagentur. Die Verurteilung von Demjanjuk habe die Tür zu Anklagen eröffnet, die er zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Auch seine Einrichtung werde angesichts der neuen Rechtslage ihre Akten überprüfen.

„Die Zeit ist unser Feind“

Der Vizepräsident der Amerikanischen Vereinigung der Holocaust-Überlebenden, Elan Steinberg, lobte ebenfalls die Ankündigung, mahnte aber gleichzeitig zur Eile: „Da unsere Anzahl – die der Opfer – rasch schwindet, zeigt sich hier die letzte Chance, daß wir noch in unserem Leben Zeugen der Gerechtigkeit werden. Die Zeit ist unser Feind.“

Auch Schramm kündigte eine rasche Ermittlung an. „Wir können nicht zu lange warten, deshalb haben wir bereits mit den Untersuchungen begonnen.“ (FA)

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