Joachim Kuhs
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Afghanistankrieg
 

Ausbildungsmängel gefährden Soldaten

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Ehrenspalier für einen gefallenen Soldaten in Mazar-i-Sharif: Durch Ausbildungsmängel zusätzlich in Gefahr? Foto: Flickr/Bundeswehr-Fotos/Bienert

BERLIN. Bundeswehrsoldaten werden durch eine mangelnde Ausbildung und fehlendes Material im Einsatz gefährdet. Dies geht laut der Bild-Zeitung aus einem internen Bericht der Bundeswehr hervor. In dem sogenannten „Kontingentbericht werten ranghohe Militärs den Kriegseinsatz in Afghanistan im Zeitraum November 2009 bis März 2010 aus.

Dabei werden eklatante Fehler in der Ausbildung offensichtlich. So verfügt die Bundeswehr zwar über gepanzerte Fahrzeuge, die mit elektronischen Störsendern gegen Sprengfallen ausgestattet sind. Doch „der Wissenstand über die Nutzung“ dieser lebensrettenden Maßnahme sei „bei der Masse der deutschen Soldaten zu Beginn des Einsatzes unzureichend“.

Menschenleben durch Unkenntnis in Gefahr

Obwohl bisher zwei Drittel aller gefallenen Soldaten versteckten Sprengsätzen zum Opfer gefallen sind, führe diese Unkenntnis „immer wieder zu falschem Verhalten oder gar Nichtbenutzung von Schutzsystemen, was die Gefährdung der eingesetzten Soldaten erhöht“, heißt es in dem als „Verschlußsache“ klassifiziertem Bericht.

Die gepanzerten Fahrzeuge selbst werden häufig von Soldaten gefahren, „die keine oder ungenügende Einweisung oder Erfahrungen“ besäßen. In dem „schwierigen Gelände“ käme es daher regelmäßig zu vielen Unfällen mit erheblichem Sachschaden. Im Kampf könne hier gleichfalls „durch falsches Reagieren Menschenleben zusätzlich gefährdet werden“.

Auch die Ausbildung an der Waffe wird bemängelt. Der Umgang von Handwaffen beim Schuß genüge teilweise nicht den Einsatzanforderungen. „Die Soldaten beherrschen ihre Waffe meist nicht. Auffällig ist die schlechte Beherrschung der Granatpistole.“ Der Granatwerfer ist eine entscheidende Waffe im Infanteriekampf.

Ärger über amerikanische Dominanz

Hinzu kommen Unstimmigkeiten mit amerikanischen Militärs. Seit General David Petraeus das Kommando in Afghanistan übernommen habe, seien „in erheblichen Maße zusätzliche US-Soldaten“ in die Militärführung „integriert“. Damit werde „die ohnehin schon reduzierten Beiträge anderer Nationen nochmals marginalisiert“, kritisierte der Bericht.

„Es ist festzustellen, daß mit dem neuen Kommandeur die amerikanische Dominanz in der Führung und Entscheidungsfindung weiter zugenommen hat.“ Die Autoren raten daher zu überprüfen, „ob Deutschland als drittgrößter Truppensteller“ im Hauptquartier in Kabul noch „ausreichend vertreten ist, um seine Interessen in diesem Hauptquartier einzubringen“. (FA)

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