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„Kampf gegen Rechts“
 

„Kampf gegen Rechts“: Von Campenhausen und Lehmann kritisieren EKD

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Axel von Campenhausen
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Theo Lehmann Fotos: Visiomedia/Privat

Der ehemalige Direktor des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Axel von Campenhausen, hat Pläne, mit der sogenannten „Kirchenzucht“ gegen rechtsextreme Kirchenmitglieder vorzugehen, scharf verurteilt.

Im Interview mit der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT sagte von Campenhausen: „Kirchenzucht betrifft kirchliche Verfehlungen, die politische Gesinnung ist aber kein kirchlicher Gegenstand.“ Ihm sei die Idee, sie in politischen Fällen anzuwenden, unangenehm. Die Kirche habe so etwas nicht zu ahnden.

Unverständnis für Kritik an Helmut Matthies

Ähnlich äußerte sich auch der Theologe und frühere Jugendpfarrer in der DDR, Theo Lehmann. Ihn erstaune die plötzliche Besinnung auf die Kirchenzucht. Bisher sei diese gerade bei linksliberalen Kirchenkreisen verpönt gewesen, sagte er der JF. Er wisse nicht, wie das praktisch funktionieren solle und wenn, müßte sich dies auch gleichermaßen gegen Linksextremismus richten.

Der EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick hatte Ende Dezember in einem Interview die Kirchenzucht als Mittel im Kampf gegen „rechtsextreme und menschenfeindliche Einstellungen in Deutschland“ vorgeschlagen.

Sowohl Campenhausen als auch Lehmann wiesen zudem die Kritik am Herausgeber der Zeitschrift Idea-Spektrum, Helmut Matthies, zurück. Matthies war Ende des Jahres vom Bildungsdezernenten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Christhard Wagner, für die Annahme des unter anderem von der JUNGEN FREIHEIT verliehenen Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises angegriffen und zur Rückgabe der Auszeichnung aufgefordert worden.

Extremismus-Vorwurf als Form der gesellschaftlichen Denunziation

Es sei ein Skandal, so Lehmann, daß nicht einmal mehr „vor so einer integeren Person wie Herrn Matthies“ haltgemacht werde. Die EKD sei einseitig auf das Thema Rechtsextremismus fixiert. Gleichzeitig würden linksradikale und linksextreme Tendenzen verharmlost.

Von Camphausen bezeichnete den Vorgang als „empörend“. Der Extremismus-Vorwurf werde zur modernen Form der gesellschaftlichen Denunziation mißbraucht. Was einem politisch nicht willkommen sei, werde in die „rechtsextreme“ Ecke gedrängt, kritisierte der Kirchenrechtler. (JF)

Die vollständigen Interviews mit Axel von Campenhausen und Theo Lehmann sind in der aktuellen Ausgabe der JF (Nr. 3/10) erschienen. 

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