Innerkirchliche Kritik an Käßmann-Äußerungen

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Logo der evangelischen Militärseelsorge: „unchristlich, sich selbst und seine Kameraden zu verteidigen?“ Foto: Bundeswehr.de

BERLIN. Die Kritik der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr bleibt innerkirchlich umstritten.

Die oberste Protestantin hatte in ihrer Neujahrspredigt in Dresden unter anderem erklärt, selbst nach den weitesten Maßstäben der EKD sei der Krieg in Afghanistan nicht zu rechtfertigen. Am Hindukusch sei „nichts gut“, so Käßmann.

Dazu sagte die Präses der EKD-Synode und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) gegenüber der Welt am Sonntag, daß Entwicklungshelfer und Soldaten in Afghanistan wichtige und gute Arbeit leisteten: „In einem Land, in dem es so viel bewaffnete Gewalt gibt, wird humanitäre Hilfe vorerst nicht ohne militärischen Schutz auskommen.“ Mehrere Bischöfe hatten sich hinter Frau Käßmann gestellt.

„Ärgerlich und nicht zutreffend“

Scharfe Kritik an Käßmann übte der evangelische Militärdekan Karsten Wächter, der die Soldaten im nordafghanischen Kundus geistlich betreut. In einem Schreiben an die Bischöfin bezeichnete er ihre Äußerungen als „ärgerlich“ und „nicht zutreffend“.

Im Blick auf ständige Überfälle auf die Bundeswehr fragte Wächter: „Ist es unchristlich, sich selbst und seine Kameraden zu verteidigen?“ Man habe den Eindruck, „daß Sie auf abstrakter und theoretischer Ebene über eine Sache diskutieren, ohne sich einen persönlichen Eindruck von der Realität vor Ort verschafft zu haben“, so Wächter.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat unterdessen die EKD-Ratsvorsitzende zu einem Truppenbesuch in Afghanistan eingeladen. Unterstützung bekam Frau Käßmann von höchster staatlicher Seite. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel dankten für Käßmanns Impulse zur Debatte um Krieg und Frieden. (idea)

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