„Zeitungszeugen“: Historiker kritisieren bayerische Regierung

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Internetseite von „Zeitungszeugen“ Screenshot: JF

BERLIN. Namhafte Historiker haben das Verbot des Nachdrucks nationalsozialistischer Zeitungen durch das bayerische Finanzministerium scharf kritisiert.

„Wir sind bestürzt über den Versuch des bayerischen Finanzministeriums, die historisch relevante und publizistische breite Aufarbeitung von Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus durch Androhung eines Verbots des Nachdrucks von NS-Blättern zu vereiteln“, heißt es in einem unter anderem von den Historikern Hans Mommsen und dem Leiter des Zentrums für Antisemitismusstudien, Wolfgang Benz, unterzeichneten Memorandum.

Auch die Historiker Sönke Neitzel und Peter Longerich kritisieren Bayern

Das britische Verlagshaus Albertas Limited hatte vor kurzem die Serie Zeitungszeugen gestartet, für die Ausgaben verschiedener zwischen 1933 und 1945 in Deutschland erschienener Zeitungen als Faksimile neu aufgelegt werden, darunter beispielsweise der Völkische Beobachter oder der Angriff.

Das bayerische Finanzministerium hatte die Veröffentlichung nach der ersten Ausgabe mit dem Hinweis darauf untersagt, daß Bayern die Rechte an Druckerzeugnissen aus dem ehemaligen Franz-Eher-Verlag, dem Zentralverlag der NSDPA, habe.

Zu den wissenschaftlichen Beratern von Zeitungszeugen gehören neben Mommsen und Benz unter anderem auch die Historiker Sönke Neitzel und Peter Longerich. Das Gremium appellierte nun an Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), das Verbotsvorhaben einzustellen.

Ungeschickter Beitrag zur „Mystifizierung der NS-Propaganda“

Nur wer Hitlers Haßreden oder Goebbels Hetztiraden nachgelesen habe, könne sich ein einigermaßen authentisches Bild über den Weg in die schlimmste Katastrophe der Geschichte der Neuzeit machen.

Es sei unverständlich, „wenn die bayerische Staatsregierung, in deren Verantwortungsbereich ebenfalls neonazistische Tendenzen virulent geworden sind, den wissenschaftlich kommentierten und mit Gegenpositionen breit versehenen Nachdruck der NS-Täterblätter zu untersagen versucht“.

Das Vorgehen sei ein höchst ungeschickter Beitrag zur „Mystifizierung und Überhöhung der NS-Propaganda“.

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