Unionspolitiker kritisieren Merkel für Papst-Schelte

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Papst Benedikt XVI. Fotograph: Ronald Gläser

BERLIN. Die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer Klarstellung im Fall des wieder in die katholische Kirche aufgenommenen Bischofs Richard Williamson ist auf ein geteiltes Echo gestoßen.

Während der Vatikan darauf verwies, daß der Papst sich bereits klar genug ausgedrückt habe, lobte der Zentralrat der Juden in Deutschland die Äußerungen Merkels. „Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, daß sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet“, sagte der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Kritik an Merkel kam unterdessen vom Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Er sei bestürzt über die Art und Weise, „wie derzeit sogar von offizieller staatlicher und politischer Seite die Integrität von Papst Benedikt XVI. in Frage gestellt wird“, zitiert ihn die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA). Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller sprach im ARD-Morgenmagazin mit Blick auf den Streit um die Wiederaufnahme von Bischof Williamson von einer gegen den Papst gerichteten Kampagne.

Bundestagsabgeordnete kritisieren die Kanzlerin

Auch innerhalb der Union stieß Merkel mit ihren Äußerungen auf teilweise scharfen Widerspruch. Der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt warnte Merkel davor, sich weiterhin „als Lehrmeisterin des Papstes zu gerieren“. Es sei zwar wahr, daß manche Probleme in der Kurie in Rom gelöst werden müßten. Die Kanzlerin solle sich aber lieber darum kümmern, „in der Berliner Koalition verstärkt christliche Grundsätze durchzusetzen“. Dies sei „etwa in der Sozial- und Familienpolitik, beim Lebensschutz und in der Bioethik mehr als notwendig“, sagte Posselt.

Der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer (CDU) kritisierte Merkel scharf. Die Bundeskanzlerin habe ohne Not den Papst in eine Ecke gestellt, in die er nicht gehöre. Benedikt XVI. habe sich klar von jedem Antisemitismus und jeder Holocaust-Leugnung distanziert. „Es gab überhaupt keinen Anlaß, warum eine deutsche Bundeskanzlerin sich so äußert“, sagte Wimmer, der im Herbst aus dem Parlament ausscheidet, der KNA.

Spekuliert wird unterdessen über den Hintergrund für Merkels Intervention. Laut Welt wird in Vatikankreisen die Vermutung geäußert, die Kanzlerin habe auf Druck des Zentralrats der Juden in Deutschland und des amerikanischen Judentums hin den Papst kritisiert. „Von sich aus hätte sie das nicht gemacht“, zitiert die Zeitung eine nicht genannte Quelle. Die Beziehungen zu Israel seien bereits „fast wieder im Lot“. Für Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone sei der Fall bereits abgeschlossen.

<---newpage---> Parallelen zum Fall Hohmann

Andere Beobachter verweisen auf Parallelen zum Fall des ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann. Dieser war 2004 nach einer fälschlicherweise als antisemitisch eingestuften Rede aus der Partei ausgeschlossen worden.

Damals war unter anderem  eine persönliche Intervention der Verlegerin Friede Springer bei Merkel für das harte Vorgehen gegenüber Hohmann verantwortlich gemacht worden. Bereits gestern hatte Springers Bild-Zeitung den Papst scharf angegriffen und von einem „Nazi-Skandal“ geschrieben.

Der Distriktobere der Piusbruderschaft in Deutschland, Pater Franz Schmidberger, wehrte sich inzwischen in einem Interview mit der JUNGEN FREIHEIT gegen Angriffe gegen seine Organisation „Wir sind weder reaktionär, noch fundamentalistisch, sondern katholisch, römisch-katholisch; und darauf sind wir in der Tat stolz.“

Mit deutlichen Worten wies er den Vorwurf des Antisemitismus zurück: „Wie kann ein aufrechter Katholik Antisemit sein, wenn sein eigener Religionsstifter seiner menschlichen Natur nach Jude ist, wenn dessen Mutter Jüdin ist, wenn alle Apostel Juden sind?“

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