„Jedem den Seinen“: Tchibo und Esso ziehen Werbespruch zurück

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Nach öffentlichen Protesten hat Tchibo seinen Werbespruch zurückgezogen Foto: JF

FRANKFURT/MAIN. Tchibo und Esso werden künftig nicht mehr mit dem Spruch „Jedem den Seinen“ werben. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, sei die PR-Aktion Anfang der Woche eingestellt worden.

Grund hierfür sei vor allem der massive Protest von seiten des Zentralrats der Juden. Dessen Vizepräsident Salomon Korn bezichtigte die Konzerne, mit ihren Plakaten eine „entweder nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit“ präsentieren zu wollen oder aber „totale Geschichtsunkenntnis“ zu beweisen.

Es sei unmöglich, mit derartigen Redewendungen zu hantieren, solange es noch einen einzigen Menschen gäbe, der hierbei an Buchenwald denke, führte Korn aus. Der ursprüngliche Spruch „Jedem das Seine“ („suum cuique“), dessen Ursprung in der Antike beim römischen Feldherrn Cato dem Älteren sowie beim griechischen Philosophen Platon zu suchen sind, stellt einen der klassischen Gerechtigkeitsgrundsätze dar, wurde von den Nationalsozialisten jedoch auch als Inschrift über den Toren des Konzentrationslagers Buchenwald verwendet.

Auch Nokia und Rewe haben mit dem Spruch geworben

Die Konzerne selbst äußerten Bedauern über ihre Fehlentscheidung. Man habe „nie die Absicht gehabt, Gefühle zu verletzen“, sagte Tchibo-Sprecherin Angelika Scholz. Sie bedauerte die „unglückliche“ Sloganwahl und versicherte gegenüber der Frankfurter Rundschau, man werde dafür sorgen, daß diese Plakate schnellstmöglich wieder abgehängt werden. Esso-Sprecher Olaf Martin entschuldigte sich mit den Worten, die beauftragte Werbeagentur habe die historische Bedeutung dieses Satzes offenbar nicht erkannt.

Kritik an werbetechnischen Konzeptionen von Firmen aufgrund geschichtlicher Vergleiche ist in Deutschland nicht neu. So warb der finnische Mobilfunkkonzern Nokia bereits 1998 mit dem selben Spruch für austauschbare Handygehäuse. Der Handelskonzern Rewe folgte kurze Zeit später in einem Prospekt für Grillzubehör.

Beide Firmen mußten ihre Aktionen aufgrund öffentlicher Proteste wieder abbrechen. 1999 traf es die Fast-Food-Kette Burger King. Im Jahre 2001 fanden die Proteste gegen den Spruch „Jedem das Seine“, der übrigens auch der Wahlspruch der Feldjäger der Bundeswehr ist, ihren vorläufigen Höhepunkt, als die Merkur-Bank mit diesem für ihre neuen Kontoführungsmodelle warb.

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