Berliner Schulleiter schlagen Alarm

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Die Rütli-Schule in Berlin-Neukölln sorgte vor drei Jahren für Schlagzeilen Foto: JF

BERLIN. In einem Brandbrief haben 68 Berliner Schulleiter vor einem bildungspolitischen Desaster gewarnt. In dem Brief an den rot-roten Senat beklagten die Pädagogen des Bezirks Mitte die sozialen Mißstände insbesondere in Gebieten mit hohem Ausländeranteil sowie den eklatanten Geldmangel zur Renovierung ihrer Gebäude.

Die Schulen seien meist nur Ruinen, „keiner will hier unterrichtet werden“, so Frank Neumann, Leiter der Carl-Humann-Schule. Gute Schüler würden immer öfter in andere Bezirke umsiedeln oder aber auf Privatschulen wechseln. Generell sei die vermehrte Gründung privater Bildungseinrichtungen eine „eklatante Mißtrauenserklärung an das Berliner Schulsystem“, hieß es in dem Brief weiter.

Schätzungen der Industrie- und Handelskammer zufolge benötigten die knapp 1.000 Berliner Schulen 900 Millionen Euro, um ihre maroden Anlagentechniken, Toiletten, Dächer und Höfe zu modernisieren. Der Brandbrief, der bereits Mitte Dezember an den Bezirksbürgermeister Christian Hanke, Bildungssenator Jürgen Zöllner sowie den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (alle SPD) adressiert wurde, sei „eine Klatsche für den Senat“, kommentierte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Berliner Senat, Mieke Senftleben.

Einladung ins Kanzleramt

Als Reaktion auf den Brandbrief kündigte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), eine Überprüfung an, ob Fördermaßnahmen für Schulen mit hohem Migrantenanteil überhaupt bei den Schulen ankämen. Gleichzeitig lud sie die Schulleiter kurzfristig zu einem Gespräch ins Kanzleramt ein.

Die Unterzeichnung eines solchen Briefes durch alle Schulleiter eines Bezirks sei eine gänzlich neue Qualität, mahnten die GEW-Landeschefin Rose-Marie Seggelke sowie die Vorsitzende der CDU-Bildungskommission, Eva-Maria Kabisch. Sie appellierten an den Senat, sich mit den Betroffenen schnellstmöglich zusammenzusetzen, um der Problematik wirksam gegensteuern zu können. Ein „Absturz ganzer Schulsysteme an sozialen Brennpunkten“ sei sonst unvermeidbar.

Der eher liberal dominierte SPD-Flügel „Aufbruch Berlin“ erarbeitete unterdessen ein Sofortprogramm, welches auf der Klausurtagung der SPD Ende Januar vorgestellt werden solle. Es sehe vor, Schulen mit mehr als 75 Prozent Schülern nichtdeutscher Herkunft „ausnahmslos als gebundene Gesamttagsschulen“ zu organisieren, ein „Sprachförderprogramm für alle Klassenstufen“ einzurichten sowie „freiwillige Deutschsprachvereinbarungen“ zu beschließen.

Vor drei Jahren hatten die Lehrer der Berliner Rütli-Schule mit einem Brandbrief über die Zustände an der überwiegend von Ausländern besuchten Schule eine deutschlandweite Diskussion über die Bildungspolitik ausgelöst.

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