1. April: Vatikan droht Deutschland mit Reparationsforderungen

Landsknechte
Landsknechte: Schlechtes Benehmen im Ausland Foto: Wikipedia

ROM/BERN. Der Vatikan erwägt, Entschädigungsforderungen an Deutschland wegen des „Sacco di Roma“ zu erheben. Im Mai 1527 hatten zumeist deutsche Landsknechte in einem beispiellosen Raubzug die Stadt Rom einen Monat lang verwüstet und zahllose Kirchen sowie private Besitztümer geplündert.

Dem Morden und Brandschatzen fiel zeitgenössischen Quellen zufolge fast die Hälfte der Einwohner zum Opfer. Die Landsknechte hatten zu meutern und plündern begonnen, nachdem ihnen kein Sold gezahlt worden war. Wegen seines aufwendigen Feldzuges gegen den französischen König befand sich der deutsche Kaiser Karl V. in chronischer Geldnot.

Da die deutschen Landsknechte in seinem Heer großenteils lutherisch gesinnt waren, sollen ihre Ausfälle gegen den Kirchenstaat auch von antikatholischen Ressentiments befeuert worden sein. Dem damaligen Papst Clemens VII. war es gerade noch rechtzeitig gelungen, sich vor dem protestantischen Furor in die Engelsburg zu retten.

Reparationen auch an die Schweiz möglich

Ob die nun ins Spiel gebrachte Forderung nach Wiedergutmachung auch mit der jüngsten Kritik der (evangelischen) deutschen Kanzlerin an Papst Benedikt XVI. in Zusammenhang steht, wollte Kardinal Aprile Scerzo von der zuständigen „Universalen Litanei-Kommission“ (ULK) im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT weder bestätigen noch dementieren.

Möglicherweise wird sich auch die Schweiz den Entschädigungswünschen anschließen. Denn auf päpstlicher Seite hatten zumeist Angehörige der Schweizer Garde unter großen Opfern versucht, den Ansturm der deutschen Söldner auf die Ewige Stadt abzuwehren.

Der eidgenössische Oberbundesrat Urs Müesli wies gegenüber der JUNGEN FREIHEIT Spekulationen zurück, derartige Überlegungen seien eine Reaktion auf aktuelle politische Verstimmungen zwischen Bern und Berlin.

Grüne: Deutschland schuld am Ende der Renaissance

Claudia Thor, Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen, bezeichnete den Vorstoß des Vatikans als „notwendiges Signal an unsere Gesellschaft, endlich ein viel zu lange verdrängtes, dunkles Kapitel der deutschen Geschichte konsequent aufzuarbeiten“. Es sei ein Skandal, daß bis heute keiner der Verantwortlichen vor Gericht gestellt wurde.

Mit derartigen Schandtaten trage Deutschland ein „gerüttelt Maß Verantwortung für das Ende der Renaissance“. Allgemein wird der „Sacco di Roma“ als Schlußpunkt jener Blütezeit der europäischen Kultur gesehen.

Das Argument, es seien vor über 480 Jahren auch Söldner aus Spanien und den Niederlanden an den Kriegsverbrechen beteiligt gewesen, wiesen die Grünen zurück: „Wer so redet, ist nur darauf aus, deutsche Schuld zu relativieren“, heißt es in der Stellungnahme. (vo)

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