Streit um homosexuellen Bischofskandidaten

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Der Hamburger Pastor Ulrich Rüß. Foto: JF.

SCHLESWIG. Der Streit um den homosexuellen Kandidaten für das Amt des Schleswiger Bischofs, den derzeitigen Altonaer Propst Horst Gorski, dauert an. Der Vorsitzende der konservativen „Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Nordelbien“, Pastor Ulrich Rüß, rief gestern die zuständigen Mitglieder des Landeskirchenparlaments auf, Gorski „aus Bibel- und Bekenntnisgründen“ nicht zu wählen.

Der Propst könne die Botschaft vom gekreuzigten Christus, wie sie in der Bibel und dem reformatorischen Bekenntnis bezeugt sei, nicht nachvollziehen – „nämlich, daß Christus für die Sünden der Welt gestorben ist, sein Tod ein Sühnetod war“. Die Kirchliche Sammlung verweist auf eine ins Internet gestellte Karfreitagspredigt Gorskis von 2006. Darin heißt es:

„Der Tod Jesu war nicht notwendig, damit sich Gott mit uns versöhnt und uns vergibt. Diese Behauptung einer solchen Notwendigkeit ist eines der größten Mißverständnisse der christlichen Geschichte.“ Damit entferne sich Gorski von einem Herzstück christlicher Glaubenswahrheit. Wörtlich heißt es: „Horst Gorski würde als Bischof die ohnehin schon vorhandene und innerkirchliche Spaltung vertiefen, viele bibel- und bekenntnistreue Christen geistlich heimatlos machen. Für die Ökumene wäre er eine Belastung.“

Warum kein konservativer Kandidat?

Wie solle jemand vor Irrlehre schützen, für Bekenntnis- und Glaubenswahrheiten schützend eintreten, der selber hinter dem biblisch-reformatorischen Erbe zurückbleibe und dies in Frage stelle? Hinzu komme, daß Gorski der Gründer einer Interessenvertretung für homosexuelle Pastorinnen und Pastoren sei. Nach der Heiligen Schrift widerspreche gelebte Homosexualität dem Willen Gottes.

Im Sprengel Schleswig, der ländlich geprägt sei, hätten viele Gemeindemitglieder für einen Bischof mit einem solchen Lebensstil wenig Verständnis. Die Kirchliche Sammlung kritisiert ferner, daß der Wahlausschuß neben Gorski mit Propst Ulrich einen weiteren als liberal geltenden Kandidaten aufgestellt hat.

„Offensichtlich ist es in der nordelbischen Kirche nicht möglich, daß auch ein konservativer Theologe als Kandidat für ein geistliches Leitungsamt vorgeschlagen wird. Der vielzitierte Pluralismus und die vielgerühmte Pluralität stoßen da in gewohnter Regelmäßigkeit auf ihre Grenzen.“

Glaubenskonservative Christen fühlten sich schon lange nicht oder nur unzureichend durch Synode, Bischofskollegium und Kirchenleitung vertreten. „Das schadet der Einheit“, so die Kirchliche Sammlung. Zuvor hatte bereits ein Vorstandsmitglied der Vereinigung, Pastor Dieter Müller, scharfe Kritik an der Nominierung Gorskis geübt. Dessen Wahl würde das „Ansehen und Gewicht der lutherischen Kirche in der Ökumene weiter ruinieren“. (IDEA/JF)

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