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Streit in nordelbischer Kirche spitzt sich zu

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Der Dom in Schleswig Foto: Pixelio/Tempelmeister

HAMBURG. Im Vorfeld der Wahl eines neuen Schleswiger Bischofs am kommenden Wochenende verschärft sich der Streit in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Anlaß ist die Kritik an einem der beiden Bischofskandidaten, Propst Horst Gorski.

Der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens hatte die Synode aufgerufen, Gorski wegen dessen kritischer Haltung zur Sühneopfertheologie nicht zu wählen. Die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der nordelbischen Kirche warnte ebenfalls vor einer Wahl Gorskis – auch wegen seiner Homosexualität.

Laut einem Bericht des Hamburger Abendblatts diskutierte die Kirchenleitung über Disziplinarmaßnahmen gegen Altbischof Wilckens wegen dessen Äußerungen zu Gorski. „Wenn ein pensionierter Bischof so was macht, ist eine Grenze erreicht“, zitiert das Blatt den Synodenpräsidenten Hans-Peter Strenge.

„Lächerlich und Peinlich“

Zur Kirchlichen Sammlung sagte er, dahinter stünden Randfiguren, die „nicht mal die Traute haben, einen eigenen Kandidaten aufzustellen“. Der Vorsitzende der theologisch konservativen Vereinigung, Pastor Ulrich Rüß, nannte den „drohenden Hinweis“, daß die Kirchenleitung Disziplinarmaßnahmen gegen Altbischof Wilckens diskutiert habe, „lächerlich und peinlich“.

Der Versuch, die notwendige Auseinandersetzung über die Wahrheit des Glaubens durch einen disziplinarrechtlichen Maulkorb zu verhindern, zeige „eine erschreckende geistliche und intellektuelle Armseligkeit“, sagte Rüß gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Er fragt: „Sollen Kritiker für die Zukunft auf diese Weise eingeschüchtert und mundtot gemacht werden?“

Kritik am Synodenpräsidenten

Wenn Synodenpräsident Strenge die Kirchliche Sammlung mit „Randfiguren“ in Verbindung bringe, spreche „das mehr für Diffamierung, nicht aber für die von ihm geforderte gute Streitkultur“. Strenge habe offenbar die Frage nach dem Kern des christlichen Glaubens, die an der Person Gorskis aufgebrochen sei, überhaupt nicht begriffen.

Der Propst habe sich vom Zentrum des biblischen Glaubens getrennt, nämlich da Jesus Christus am Kreuz für die Menschen gestorben ist: „Christus trägt stellvertretend die Sünde der Welt.“ Gorski hatte in seiner Karfreitagspredigt 2006 gesagt: „Der Tod Jesu war nicht notwendig, damit Gott sich mit uns versöhnt und uns vergibt. Die Behauptung einer solchen Notwendigkeit ist eines der größten Missverständnisse der christlichen Geschichte.“ Zweiter Kandidat bei der Bischofswahl ist Propst Gerhard Ulrich (idea/ JF)

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