Joachim Kuhs

 

Großbritannien: Zunehmende Radikalisierung muslimischer Studenten

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Britische Wahrzeichen: Union Jack und Big Ben. Foto: Pixelio/pan

LONDON. Fast ein Drittel der britischen Studenten muslimischen Glaubens hält das Töten im Namen der Religion für gerechtfertigt, wenn diese angegriffen würde. Dies ergab eine Umfrage des Zentrums für soziale Kohäsion. Bei der Untersuchung wurden an zwölf Universitäten mit islamischem Einfluß repräsentativ 1.400 Studenten befragt. Das Ergebnis sorgte für Aufsehen, da in England die Radikalisierung britischer Muslime bisher als ein Bildungsproblem von Unterschichten aufgefaßt wurde.

„Es stellte sich heraus, daß eine große Mehrheit muslimischer Studenten Sichtweisen äußerte, die streng konservativ sind oder die nahelegen, daß sie offen für extremistisches Gedankengut sind“, berichtet die britische Tageszeitung Daily Mail. So würden es 40 Prozent der Befragten befürworten, sollte das islamische Recht in Großbritannien eingeführt werden. Ungefähr jeder Dritte wünscht sich darüber hinaus eine weltweite islamische Regierung, die auf der Scharia beruht.

„Diese Ergebnisse sind äußerst alarmierend. Die Studenten sind die zukünftige Elite ihrer Gesellschaften. Eine erhebliche Anzahl von ihnen zeigt nun einen Glauben, der den liberalen und demokratischen Werten entgegensteht“, zitiert der Telegraph Hannah Stuart, eine der Autorinnen der Studie: „Zusätzlich sind Zeichen religiöser Separierung auf dem Campus zu beobachten. Peinliche Befunde für diejenigen, die behaupteten, daß es an britischen Universitäten keinen Extremismus gäbe.“

„Äußerst alarmierende Ergebnisse“

40 Prozent der Studenten lehnen es nach dieser Studie ab, wenn sich muslimische Männer und Frauen in der Öffentlichkeit frei untereinander bewegen. Zwar sind zwei Drittel der Meinung, der Islam sei mit der westlichen Auffassung von Demokratie in Einklang zu bringen, jedoch hält fast der gleiche Prozentsatz den Gesichtsschleier für wichtig. Und immerhin noch vier Prozent sind der Meinung, Morde seien legitim, wenn sie dazu dienen, die Religion zu verbreiten.

Die Vereinigung der Studenten islamischer Gesellschaften kritisierte die Untersuchung scharf. Der Vorsitzende Faisal Hanja nannte die gegenüber Daily Mail einen weiteren Angriff auf die muslimische Gesellschaft „mit Elementen der Wissenschaftlichkeit“: „Der Bericht ist methodologisch schwach, er ist nicht repräsentativ und vor allem dient er nur dazu, die positive Arbeit zu untergraben, die islamische Gesellschaften im ganzen Land hervorgebracht haben.“

Es gibt im britischen Königreich rund 2,3 Millionen Studenten, davon sind rund 90.000 Muslime.

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