STRASSBURG. Der deutsche EU-Parlamentarier Daniel Freund (Grüne) hat angesichts der bevorstehenden Wahlen in Ungarn Alarm geschlagen. „Wenn Orbán gewinnt, verfestigt sich der autoritäre und antieuropäische Block in der EU weiter“, warnte er gegenüber der Frankfurter Rundschau.
„Die Wahl in Ungarn besitzt eine außergewöhnlich hohe Bedeutung für die Weltpolitik und die internationale Ordnung“, erklärte Freund. Seine Sorge: Wenn der amtierende Ministerpräsident das Rennen macht, könnte dies die Initialzündung für eine weitreichende Destabilisierung der EU sein. Falls die PiS-Partei in Polen 2027 den Wahlsieg erringe und Frankreich an den Rassemblement National falle, sei die EU „existentiell bedroht“.
„Orbán ist der Posterboy der Illiberalen“
Deshalb hoffe er sehr auf eine Wahlniederlage für den Fidesz-Chef, unterstrich der Grünen-Politiker. „Es wäre ein Riesensymbol. Wenn der korrupte, rußlandfreundliche Trump-Freund in der EU abgewählt wird, würde das alle stärken, die für seinen Gegenentwurf stehen. Die EU würde deutlich handlungsfähiger werden und von Kiew über Budapest bis nach Aachen würden sich viele freuen.“
Orbán sei der „Posterboy der Illiberalen und der ‘MAGA-Bewegung’ in Europa“. Auf die Frage, was geschähe, wenn der Regierungschef einen Sieg der gegnerischen Partei Tisza nicht anerkennen würde, zeigte sich Freund besorgt und unschlüssig. Er rechne damit, daß US-Präsident Donald Trump sich bei einem solchen Szenario auf Orbáns Seite schlagen werde.
Umfragen sehen Tisza vor Fidesz
Ungarn die EU-Gelder zu streichen, um den (abgewählten) Ministerpräsidenten unter Druck zu setzen, sei gar nicht so leicht. Dem müßten alle übrigen Mitgliedsstaaten zustimmen. „Ich befürchte, daß wir diese Einstimmigkeit wegen Tschechien und der Slowakei nicht erreichen würden“, äußerte Freund skeptisch. Schon in der Vergangenheit habe es Zweifel an der Fairneß der Parlamentswahlen in Ungarn gegeben, weil die Bürger dort angeblich keinen freien Zugang zu den Medien hätten.
„Daß Orbán so viel Macht besitzt, liegt an einem Konstruktionsfehler der EU, weil in außen- und sicherheitspolitischen Fragen das Einstimmigkeitsprinzip gilt“, monierte der Abgeordnete. „Wenn wir immer mit qualifizierten Mehrheiten entscheiden würden, hätte Orbán die Bedeutung, die ihm zusteht. Aber aktuell kann er die Gesamtposition des weltweit größten Wirtschaftsraumes enorm beeinflussen.“
Bei aktuellen Wahlumfragen liegt Orbán hinter seinem Kontrahenten Péter Magyar (Tisza). Das Meinungsforschungsinstitut Republikon sieht den Fidesz bei 38 Prozent, die Tisza bei 47 Prozent. Magyar war einst selbst Fidesz-Mitglied und seine Ex-Frau Judit Varga Ministerin in Orbáns-Regierung.
#Magyarország 🇭🇺 – Republikon (jan. 23.): Orbán pártja, a Fidesz 🟠 elveszítené a hatalmat.
🔴 TISZA: 47% (109)
🟠 Fidesz: 38% (80)
🟢 Mi Hazánk: 6% (5)
🐕 Kétfarkú Kutya: 5% (5)
🔵 Demokratikus Koalíció: 4% (0)🎯 PC: 7,1
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— WhoVotesNow (@whovotesnow) January 25, 2026
„Mein Eindruck ist, daß Magyar die EU-Themen maximal nutzt, indem er Orbán als korrupt darstellt“, führte Freund aus. Der Tisza-Chef gebe dem Ministerpräsidenten zu Recht die Schuld an der schlechten wirtschaftlichen Performance seines Landes und eine marode Infrastruktur. „Ansonsten wahrt Magyar zu allen progressiven EU-Themen die Distanz.“
Tisza gerät mit EVP aneinander
Tatsächlich gibt sich die Partei Tisza bei heiklen politischen Themen ausweichend, insbesondere solchen im Zeichen eines „Kulturkampfes“. So positionierte sich Magyar beispielsweise nicht klar, als es um das Verbot der Pride-Parade in Budapest ging. Jüngstes Beispiel sind Loyalitätskonflikte mit der EVP. Die Tisza ist Teil der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, zu der einst auch der Fidesz gehörte. Nun hat die EVP die Tisza sanktioniert, weil alle sieben Abgeordneten der ungarischen Partei einer Abstimmung fernblieben, die der Unterstützung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen galt.
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„Tisza-Abgeordnete stimmen im EU-Parlament ausschließlich im Interesse Ungarns ab“, kommentierte Magyar. „Wir danken der EVP für den hiermit erbrachten Beweis, daß Politiker der Tisza keine Herren haben.“ (zit)






