PARIS/DAVOS. Der Vorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, hat anläßlich des Vorgehens von US-Präsident Donald Trump mehr europäische Souveränität gefordert. „Was sich heute rund um Grönland abspielt, ist für Europa eine Prüfung seiner Macht und seiner Wahrhaftigkeit“, schrieb der Politiker auf X. Trump stelle die Europäer vor eine klare Wahl: „Das Vasallentum zu akzeptieren oder wieder zu souveränen Akteuren zu werden, die in der Lage sind, unsere Interessen und unsere Integrität zu verteidigen.“
Konkret kritisierte Bardella dabei eine Ankündigung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron beim Treffen des World Economic Forum in Davos (JF berichtete), mehr chinesische Investitionen in Europa herbeiführen zu wollen. Die Aussage sei symptomatisch für eine Gleichzeitigkeit im europäischen Vorgehen: „An einem Tag wettert man gegen eine ‚glückliche Vasallisierung‘, am nächsten Tag fordert man chinesische Investitionen in Schlüsselbranchen Europas. Strategische Autonomie erreicht man nicht, indem man China darum anfleht.“
Ce qui se joue aujourd’hui autour du Groenland est pour l’Europe une épreuve de puissance et de vérité.
Donald Trump nous place devant un choix clair : accepter la vassalisation, ou bien redevenir des acteurs souverains, capables de défendre nos intérêts et notre intégrité. pic.twitter.com/U0ZWr9ceM3
— Jordan Bardella (@J_Bardella) January 20, 2026
AfD mahnt: Gefahr für Europa kommt von innen
Einen anderen Fokus wählte der AfD-EU-Abgeordnete Alexander Sell. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT betonte er, Trump habe mit seiner Rede in Davos Offensichtliches angesprochen: „Die größte Bedrohung für Europa kommt von innen. Durch Fehlentscheidungen in der Migrationspolitik, der Klimapolitik oder der Verteidigungspolitik haben europäische Regierungschefs die wirtschaftliche, diplomatische und militärische Handlungsfähigkeit Europas zerstört. Wenn wir als Deutsche und Europäer in der Welt wieder ernstgenommen werden wollen, brauchen wir eine Politikwende um 180 Grad.“
Ein EU-Abgeordneter der liberalkonservativen dänischen Dansk Folkeparti, Anders Vistisen, attackierte Trump hingegen scharf. „Lassen Sie es mich in Worte fassen, die Sie verstehen, Mr. President: Ficken Sie sich“, sagte er im EU-Parlament.
Farage sieht Bruch zwischen USA und Großbritannien
In einer Nachrichtensendung betonte der Vorsitzende der rechten britischen Reform UK, Nigel Farage, wie schwerwiegend Trumps Verhalten die Nato bedrohe. Der amerikanische Präsident habe jederzeit die wirtschaftlichen Beziehungen zu Grönland verbessern können, sagte Farage. „Aber gegenüber einem Verbündeten mit Gewalt zu drohen oder mit ökonomischem Zwang, nur um seinen Willen durchzusetzen“, sei etwas anderes. „Dies ist der größte Bruch in den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern seit Suez 1956. Das ist eine ernste Angelegenheit“, sagte Farage.
Ganz anders blickt offenbar der Vorsitzende der rechten rumänischen Partei Alianța pentru Unirea Românilor, George Simion, auf die Thematik. Auf einer Veranstaltung US-republikanischer Kongreßabgeordneter schnitt er gemeinsam mit diesen eine Torte an, die in den Umrissen Grönlands gestaltet war – und in den Farben der amerikanischen Flagge, wie das rumänische Medium Antena 3 berichtete.
US Members of Congress and the leader of Romania’s far-right pro-Russian AUR party, long known to be a Russian agent, cutting pieces off a Greenland cake. Reality has been warped to the point it no longer feels real. pic.twitter.com/Fk7q07MmDT
— Daractenus (@Daractenus) January 21, 2026
Meloni telefoniert mit Trump
Am Wochenende hatte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die von Trump im Grönland-Konflikt verhängten Zölle gegen mehrere EU-Länder kritisiert. Die betroffenen Länder hätten „zur Sicherheit Grönlands“ beitragen wollen, sagte die Politikerin. Natürlich teile sie die Position Trumps daher nicht. Kurz zuvor habe sie nach eigenen Angaben mit dem amerikanischen Präsidenten telefoniert. „Ich glaube, daß eine Eskalation vermieden werden muß, und daran arbeite ich gerade.“
Anfang Januar hatte die außenpolitische Sprecherin der FPÖ, Susanne Fürst, das Handeln des US-Präsidenten in Venezuela und Grönland ebenfalls kommentiert. Im Falle Grönlands seien die Interessen der dortigen Bevölkerung die „maßgeblichste Frage“, zudem positioniere sie sich gegen eine Militärintervention. Allerdings seien die Vereinigten Staaten „ein zentraler sicherheitspolitischer Akteur und handeln – wie jede Großmacht – auf Grundlage ihrer nationalen Interessen“, sagte Fürst. Allgemein plädiere sie für Zurückhaltung – Außenpolitik sei „kein Ort für parteipolitische Selbstdarstellung“. Österreich habe genug eigene Probleme. (lb)






