RABAT. Nach zwischenzeitlich total chaotischen Szenen hat der Senegal das Afrika-Cup-Finale bei Gastgeber Marokko mit 1:0 nach Verlängerung gewonnen. Kurz vor dem Abpfiff der zweiten Halbzeit stand das Spiel beim Stand von 0:0 vor dem Abbruch, weil die Senegalesen unter Protest das Spielfeld verließen. Gleichzeitig stürmten deren Fans auf den Platz, zerstörten Werbebanden und prügelten sich mit den Ordnern. Polizei war zunächst weit und breit nicht zu sehen.
Auslöser für die Tumulte war ein Elfmeter für die Nordafrikaner in der letzten Sekunde, der erst 15 Minuten später, in der 24. Minute der Nachspielzeit, ausgeführt werden konnte. Denn Trainer Pape Thiaw hatte seine Mannschaft vom Platz in die Katakomben geführt. Das Finale drohte im Chaos unterzugehen.
Als die Senegalesen zurückkehrten, prügelten sich deren Fans immer noch mit den Ordnern – sogar bei der Ausführung des Strafstoßes. Den verschoß der Marokkaner Brahim Díaz mit einem arroganten Lupfer-Versuch in die Arme des senegalesischen Torwarts. Nun jubelten die eben noch schimpfenden und tobenden Senegalesen. Inzwischen waren auch Polizisten in schwerer Ausrüstung im Innenraum aufmarschiert.
Unrühmlicher Höhepunkt des Afrika-Cups
Das fanatische marokkanische Publikum, das über die gesamte Spielzeit bei jedem Ballkontakt des Gegners lautstark gepfiffen und gebuht hatte und das zuvor noch den sicher geglaubten Sieg feierte, verfiel dagegen in eine Schockstarre.
Direkt nach dem verschossenen Strafstoß pfiff Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala Ngambo aus der Demokratischen Republik Kongo ab. Es ging in die Verlängerung.
Was vorher geschah, wird als unrühmlicher Höhepunkt in die Annalen des Afrika-Cups eingehen. Die Senegalesen, die am Ende doch triumphierten, fühlten sich benachteiligt, gingen auf den Schiedsrichter los, der nach Ansicht der Videobilder ein sehr kurzes Halten mit dem Strafstoß ahndete.
Wüste Beschimpfungen unter Reportern
Kurz vor dem Elfmeterpfiff gegen sie hatte ihnen der Unparteiische auch noch ein wahrscheinlich reguläres Tor verweigert. Da der Schiedsrichter bereits während des Schusses pfiff, konnte der Video-Assistent nicht mehr eingreifen und die Entscheidung rückgängig machen.

Nach beiden Aktionen ging es auch auf der Pressetribüne hoch her. Journalisten aus beiden Ländern beschimpften sich gegenseitig, bespritzten sich mit Wasserflaschen, die Senegalesen riefen immer wieder „Korruption“, Stinkefinger flogen hin und her. Kicker-Reporter Martin Roser berichtete anschließend, „dazwischen zu stehen, war auch ein stückweit beängstigend“.
In der Verlängerung beruhigten sich die Gemüter. Die stark ersatzgeschwächten Senegalesen gewannen durch ein Tor von Papa Gueye in der vierten Minute der Verlängerung. Die Marokkaner, die als großer Favorit in das Heimturnier gegangen waren, konnten nicht mehr ausgleichen. Im Stadion flossen Tränen. Das Land bleibt beim Afrika-Cup weiter ohne Titel. Senegal dagegen feierte seinen zweiten Triumph nach 2022. (fh)





