PARIS. 42 Prozent aller Franzosen sind der Ansicht, daß das Gerichtsurteil gegen die Frontfrau des Rassemblement National, Marine Le Pen, politisch motiviert war – und mit dem Ziel gefällt wurde, die Politikerin von den kommenden Wahlen auszuschließen. Eine Mehrheit von 57 Prozent hält das Urteil hingegen für richtig, wie eine Umfrage des französischen Fernsehsenders BFMTV ergab.
Auch bei der Bewertung der Verurteilung gehen die Meinungen auseinander. Insgesamt 42 Prozent der Franzosen gaben an, mit der Gerichtsentscheidung zufrieden zu sein. Weitere 29 Prozent sagten, damit unzufrieden zu sein. Neutral positionierten sich 29 Prozent.
Franzosen sehen Bardella als Le Pens Nachfolger
Der Anteil an Franzosen, die das Urteil für politisch motiviert halten, ist damit deutlich größer als der Anteil, der sich über das Urteil konkret unzufrieden zeigten. Auch Personen, die den Wahlausschluß Le Pens unterstützen oder darüber gleichgültig sind, betrachten den Urteilsspruch demnach nicht unbedingt als unparteiisch.
Auf eine mögliche Nachfolge der RN-Kandidatin angesprochen, gaben 57 Prozent an, Parteichef Jordan Bardella als Sukzessor zu betrachten. Insgesamt 68 Prozent halten zudem die Regelung der „vorläufigen Vollstreckung“ in Fällen von Veruntreuung – wie sie bei Le Pen vollzogen wird – für gerecht. Der Aussage Bardellas, daß nicht bloß Le Pen zu Unrecht verurteilt worden sei, sondern die französische Demokratie „exekutiert“ worden sei, stimmten 59 Prozent der Befragten nicht zu. Insgesamt seien mehr als 1.000 Personen befragt worden, teilte BFMTV mit. Alter, Geschlecht und Beruf der Befragten seien repräsentativ ausgewählt worden.
Le Pen in Umfragen beliebteste Präsidentschaftskandidatin
In den Umfragen für die kommende Präsidentschaftswahl im April 2027 lag Le Pen zuletzt – Ende März – bei 34 bis 37 Prozent, wie eine Umfrage des Ifop-Instituts im Auftrag der Zeitung Journal du Dimanche zeigte. Damit lag sie deutlich vor allen anderen Bewerbern. Auf dem zweiten Platz, mit etwa 20 bis 25 Prozent, lag der Kandidat der liberal-konservativen Les Républicains, Édouard Philippe.
Der aktuelle Präsident Emmanuel Macron wird bei der Wahl nicht antreten können. Nach der französischen Verfassung kann ein Präsident zwar beliebig oft kandidieren, aber nicht mehr als zwei Amtszeiten nacheinander absolvieren. Macron befindet sich derzeit in seiner zweiten Amtszeit. (lb)