Guillaume Peltier
Guillaume Peltier wechselt das Lager Foto: picture alliance / abaca | Lafargue Raphael/ABACA

Präsidentschaftswahl in Frankreich
 

Ehemalige Nummer zwei der Konservativen unterstützt Zemmour

PARIS. Der ehemalige Vizepräsident der Konservativen in Frankreich, Guillaume Peltier, hat Präsidentschaftskandidat Éric Zemmour seine Unterstützung im anstehenden Wahlkampf zugesichert. „Ich habe die Entscheidung getroffen, den einzigen Kandidaten der Rechten zu unterstützen, den einzigen Kandidaten, der den Werten des RPR treu bleibt, den einzigen Kandidaten, der in der Lage ist, Emmanuel Macron zu besiegen“, verkündete Peltier am Sonntag beim Sender CNews.

Der 45jährige ist derzeit im Departement Loir-et-Cher Abgeordneter der Republikaner (LR), die aus der gaullistischen Partei RPR hervorgegangen waren, und soll nun zum Sprecher des ehemaligen Figaro-Kolumnisten Zemmour werden.

Er habe sich in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Persönlichkeiten getroffen, die Erwartungen seiner Wähler angehört, Nachrichten gelesen und die Situation in Frankreich genau angesehen, erklärte Peltier in einer Stellungnahme auf seiner Homepage. Er sei schon immer ein Freigeist gewesen und ziehe den Angriff der Feigheit vor. „Ich will nicht, daß unsere Kinder in einer verarmten, gewalttätigen, deklassierten Nation leben, und ich weiß, daß wir Frankreich retten können.“ Zudem weigere er sich, „mich dem Einheitsdenken und der politischen Korrektheit zu unterwerfen, die einem von den globalisierten Eliten und den allzu oft unterwürfigen Medien aufgezwungen werden“.

Die einzige Möglichkeit, Emmanuel Macron zu schlagen, „um gegen das Bündnis zwischen der Linken und den Eliten zu gewinnen“, sei deshalb eine Vereinigung der Rechten. „Éric Zemmour ist der Einzige, der die Vereinigung der Rechten akzeptiert“, konstatierte der Abgeordnete der Nationalversammlung. „Valérie Pécresse (Anm.: Präsidentschaftskandidatin der Republikaner) lehnt die Wähler von Marine Le Pen ab; Marine Le Pen lehnt die Wähler der Republikaner ab. Wir werden also den Grundstein für die erste Partei Frankreichs legen, die endlich alle rechten, republikanischen, patriotischen und unabhängigen Wähler vereinen wird“, versprach der 45jährige, der in den neunziger Jahren zeitweise Mitglied des Front National war. Er sei nicht der erste und nicht der letzte Politiker, der ins Lager Zemmours abwandere.

LR spielt Aufruf für Zemmour herunter

Die Gerüchte über seinen Beitritt zu Zemmours Partei Reconquête (Rückeroberung) kursierten bereits seit Monaten innerhalb der Konservativen, wo die ehemalige Nummer zwei im Frühjahr in Ungnade gefallen war. Ende Mai wurde er bereits von LR-Parteichef Christian Jacob nach einem Fernsehauftritt ermahnt. In der Sendung hatte Peltier gesagt, „die gleichen Überzeugungen wie Robert Ménard zu vertreten“.

Ménard ist seit 2014 parteiloser Bürgermeister von Béziers und wurde bei seiner Wahl unter anderem von Marine Le Pens Front National (heute: Rassemblement National) unterstützt. Am 7. Dezember äußerte sich Peltier schließlich positiv über die Vorstellungsrede Éric Zemmours für den Wahlkampf, woraufhin er seines Postens als stellvertretender Parteivorsitzender enthoben wurde.

Seitdem war Peltier von Parteiversammlungen weitgehend ausgeschlossen. Die Republikaner versuchten am Sonntag, die öffentlichkeitswirksame Entscheidung Peltiers herunterzuspielen: „Guillaume Peltier, der in den Instanzen der LR keine Verantwortung mehr trägt, kehrt zu seinen Wurzeln zurück, indem er sich Eric Zemmour anschließt. Mit dieser Entscheidung wird er de facto aus unserer politischen Familie ausgeschlossen und kann sich nicht mehr auf sie berufen“, schrieb Parteichef Jacob auf Twitter.

Doch es gibt bereits Nachahmer: Am Montag kündigte der ehemalige LR-Regionalrat der Pays de la Loire, Sébastien Pilard, der gleichzeitig ein enger Vertrauter des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ist, an, die Republikaner zu verlassen und sich Eric Zemmour anzuschließen.

(ha)

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