Transgender Argentinien
Teilnehmer eine „Pride“-Demonstration der LGBTQ-Lobby in Buenos Aires Foto: (Archivbild) picture alliance / NurPhoto | Carol Smiljan

Öffentlicher Dienst
 

Argentinien führt Quoten für Transgender-Personen ein

BUENOS AIRES. Die argentinische Abgeordnetenkammer hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, durch das ein Prozent der Stellen im öffentlichen Dienst künftig für Transgender-Personen reserviert sind, berichtete die französische Tageszeitung Les Échos am Wochenende. „Diese Gesetze positionieren uns als Pioniere, nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in der Welt“, sagte die Kongreßabgeordnete Maria Rosa Martinez während ihrer Rede im Plenarsaal.

Das Gesetz wurde laut dem Blatt mit 207 Ja-Stimmen angenommen, elf Personen stimmten dagegen und sieben enthielten sich. Nun müsse das neue Gesetz mit dem Titel „Trans Quota“ nur noch vom Senat bewilligt werden. Es folge einer Reihe weiterer Gesetze der argentinischen Regierung der vergangenen Jahre und beschleunige ihre feministische und LGBTQI + Agenda. Hierbei nannte Les Échos die „Ehe für alle“ aus dem Jahr 2010, das Gesetz über die „Genderidentität“ von 2012 oder die Legalisierung von Abtreibungen 2020.

2.500 Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor schaffen

„Wir reagieren auf ein historisches Bedürfnis dieser Gemeinschaft, die systematisch aus der Familie, der Bildung, der Gesundheit, dem Zugang zu Wohnraum und Arbeit ausgeschlossen wurde“, sagte die Präsidentin der parlamentarischen Kommission für Frauen und Vielfalt und eine der Architektinnen des Gesetzentwurfs, Mónica Macha.

Durch das Gesetz sollen etwa 2.500 Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor geschaffen werden. Damit viele Gemeinden, Universitäten und auch die private Wirtschaft die Neuerungen unterstützen, werden ihnen nach Angaben der Zeitung finanzielle Anreize in Aussicht gestellt. So lege das Gesetz beispielsweise fest, daß der Staat bei seinen Einkäufen Unternehmen mit Transgender-Mitarbeitern bevorzugen wolle.

Wege aus der Prostitution

Von den 9.000 Argentiniern, die einen Antrag auf Änderung ihrer Geschlechtsidentität gestellt haben, hätten 95 Prozent keinen formellen Arbeitsplatz und 70 Prozent bekämen nicht einmal einen Termin zu einem Vorstellungsgespräch. Deshalb bliebe für 80 Prozent der Transgender-Personen lediglich der Weg in die Prostitution.

„Wir versuchen, eine Situation zu erreichen, in der es mehr und mehr alltäglich ist, daß Trans-Personen Zugang zu einer regulären Arbeit haben und die Möglichkeit haben, wenn sie es wünschen, die Situationen der Prostitution, in denen sie normalerweise leben, zu verlassen“, unterstrich die Abgeordnete ihre Positionen. (hl)

Teilnehmer eine „Pride“-Demonstration der LGBTQ-Lobby in Buenos Aires Foto: (Archivbild) picture alliance / NurPhoto | Carol Smiljan
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