Alexander Dugin

Russischer Philosoph fordert „Marsch auf Kiew“

MOSKAU. Der russische Politologe und Publizist Aleksandr Dugin hat eine russische Eroberung der ukrainischen Hauptstadt in Spiel gebracht. „Wir marschieren auf Kiew“, schrieb Dugin in seinem Profil auf dem russischen sozialen Netzwerk vk.com. Zudem forderte er, Amerika zu vernichten. „Ein Meer von Blut“ und „namenlosen Schrecken“ kündigte der Philosoph an, der Ende Juni seinen Posten als Vorstand an einem Soziologieinstitut der Staatlichen Lomonossow-Universität in Moskau verlor.

„Getötete Kinder und Frauen, zerstörte Städte, Millionen Flüchtlinge. Wer ist schuld? Amerika“, schrieb Dugin. Die Vereinigten Staaten hätten heute die Krim und den Donbass verloren. Bald beginne die „Befreiung ganz Neurußlands“.

Interview mit dem Spiegel

Dugin, der in der ersten Hälfte der neunziger Jahre die National-Bolschewistische Partei (NBP) mitgründete, verglich Amerika und russische Liberale mit dem Teufel. Wer an der Moskauer Ökonomie-Hochschule Vorlesungen besuche, die Nowaja gazieta lese und den Radiosender „Echo Moskau“ – deren Redaktionen gelten als vergleichsweise unabhängig – höre, habe „das Sakrament des Teufels empfangen“.

„Wenn wir das nicht wollen, was die Ukrainer bekommen haben, muß Amerika (mindestens das ‘innere Amerika’) zerstört werden“, schrieb Dugin. Am Samstag vor dessen Post auf vk.com hatte Rußlands Präsident Putin laut Diplomaten in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gerdroht, er könne in zwei Wochen Kiew einnehmen.

Dugin gilt vielen als Putins „Vordenker“ (Die Welt) und „Lautsprecher“ (Focus-Korrespondent Boris Reitschuster). Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er hierzulande im Juli durch ein Interview mit dem Spiegel bekannt. (ru)

 

Alexander Dugin Anfang August in Moskau: Kritik an USA und Ukraine Foto: dpa

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