Bankenrettung
 

Spanien beantragt EU-Finanzhilfen

MADRID. Spanien will offenbar noch am kommenden Wochenende Gelder aus dem EFSF-Rettungsschirm beantragen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf EU-Kreise berichtet, sollen mit den Finanzhilfen mehrere vom Konkurs bedrohte spanische Kreditinstitute gerettet werden. Wenige Stunden zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die spanische Bonität um mehrere Stufen abgewertet, da die geplante Bankenrettung die Staatskassen des hoch verschuldeten Landes mit bis zu 100 Milliarden Euro belasten werde.

Bereits am Donnerstag waren die Zinsen für spanische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit auf annähernd sechs Prozent gestiegen. Der spanische Finanzminister Christobal Montoro hatte daraufhin Probleme bei der Beschaffung neuen Kapitals eingeräumt. Die Bundesrepublik zahlt für vergleichbare Anleihen etwa zwei Prozent Zinsen.

Deutschland drängte auf EFSF-Hilfen

Die Bundesregierung und führende CDU-Politiker hatten die Regierung in Madrid in den vergangenen Tage mehrfach gedrängt, Finanzhilfen bei der EU zu beantragen. Der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Volker Kauder, sagte, dies sei nötig, da Banken keine Direkthilfen erhalten könnten, sondern nur Regierungen. Ursprünglich wollte Spanien erst in zwei Wochen entscheiden, ob es EU-Gelder beantragt. Ein Einbruch der Industrieproduktion hatte den Druck auf die konservative Regierung unter Ministerpräsident Manuel Rajoy allerdings deutlich erhöht.

Der deutsche Anteil am EFSF liegt, inklusive der direkten Haftung und den Anteilen an Krediten des Internationalen Währungsfonds, bei knapp 400 Milliarden Euro. Nach Griechenland, Portugal und Irland ist Spanien das vierte Land, für dessen Schulden deutsche Steuerzahler haften müssen. (ho)

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