Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Die Ehe auf der Abschußliste

Die offen gelebte Homosexualität hat in der westlichen Welt eine weitgehende Gleichstellung erfahren, was jene, welche den einstigen Opferstatus gleichermaßen als Beruf und Berufung sehen, in Erklärungsnöte bringt. Schließlich gerät dadurch die mit Macht und finanziellen Segnungen verbundene Stellung, sei sie politischer, universitärer, juristischer oder medialer Art, in Gefahr. Doch neue Betätigungsfelder sind bereits ausgemacht.

Etwa das durch die feministische Theoretikerin Judith Butler in Mode gekommene „Gender“-Konzept, welches dazu dienen soll, den Begriff des Geschlechts und das System „Mann/Frau“ zu dekonstruieren. Gemäß den in Gender-Diskursen beliebten Wortspielen könnte auch kalauernd gefolgert werden: Dem Geschlecht geht es schlecht, sprich: an den Kragen. Abgelöst wird es durch die amerikanischen Begriffe von „sex“ (der biologisch-anatomischen Ausstattung des Menschen) und „gender“ (dem sozial und kulturell erworbenen und damit zugleich variablen Rollenmuster). Unterstützung erfährt dieser Diskurs unter anderem durch das unter dem Dach der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung beheimatete Gunda-Werner-Institut (GWI).

Jüngste Anstrengung des GWI ist der einwöchige Berliner Kongreß „Love me Gender – Gender is Happening“, der auf interdisziplinäre Weise die historischen, verfassungsrechtlich-juristischen, kulturellen, literarischen sowie politischen „Gender“-Blickwinkel ausleuchten will. Zu Beginn fragt der Moderater Albert Eckert, ein PR- und Politikberater, wer denn unter dem etwa achtzigköpfigen Publikum sich weder als Mann noch als Frau betrachte. Ein halbes Dutzend Hände gehen hoch. Für den Quotenmann des GWI, Henning von Bargen, manifestiert sich hier kein Problem – im Gegenteil. Beklagenswert sei vielmehr die Sonderheit, der zufolge es deutschen Männern schwerfalle, sich selbst als „Feminist“ zu bezeichnen.

Das wiederum ist für Gitti Hentschel vom GWI kein Thema. Sie freut sich auf das vielfältige Programm der Woche, insbesondere auf den „dragzhaufen“ – ein „Spektakel der Perversitäten“ mit „einem christlichen Fundamentalisten“ und dem „Herumspielen mit wännlich und meiblich“. Weitere bizarre Programmpunkte sind das „Muschiballett“, die Ausstellung „You make me horny!“ und die Lesung über „Queere Liebe zwischen Ost und West“.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sinniert in ihrem Beitrag  darüber, was „uns geschlechterpolitisch“ weiterbringt. Auf keinen Fall sei das die neumodische Trennung zwischen „altem“ und „neuem“ Feminismus, diese sei nur ein „hinterhältiger Trick“ zur Schwächung der Frauenbewegung. Die vormalige Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz fordert „vierzig Prozent Frauen in die Aufsichtsräte“. Dies sei die „erste Hürde, um in den Wirtschaftsbereich hineinzukommen“. Die unter Justizministerin Brigitte Zypries eingeführte neue Unterhaltsregel sei nur der erste Schritt – „jetzt wollen wir auch die Jobs haben!“ – „Was wir als erstes beim Gendern brauchen“, so Künast, „sind gesetzliche Regeln.“

Um solche geht es auch in der Diskussionsrunde zum „Geschlechtergerechten Grundgesetz (GGG)“. Dort bekennt sich Hans-Christian Ströbele zunächst zu dem Fazit, dem zufolge der Begriff der Ehe durch das Bundesverfassungsgericht „relativiert“ worden sei. Jetzt, da die Tür einen Spalt geöffnet sei, müsse sie ganz geöffnet werden. Mit anderen Worten: „Der Artikel 6 des Grundgesetzes muß neu geschrieben werden.“ Einig ist sich das Podium – neben Ströbele die Juristinnen Eva Kocher und Alexandra Goy – darüber, das Ehegattensplitting abzuschaffen. Ströbele plädiert dafür, die „Ehe“ – eine „alte, tradierte Vorstellung der bürgerlichen Gesellschaft“ – zu ersetzen durch den Begriff einer „auf Dauer angelegten Bedarfsgemeinschaft“. Gitti Hentschel vom Gunda-Werner-Institut ergänzt mit ihrem Unverständnis, warum ausgerechnet die Ehe als „patriarchal angelegte Institution“ besonders schutzwürdig sein solle. Den größten Zuspruch erntet jedoch eine Teilnehmerin aus dem Publikum mit der Forderung, die Ehe aus dem Grundgesetz zu streichen: Der ganze Saal applaudiert begeistert.

Foto: Teilnehmer der Berliner „Gender“-Woche: „Wir brauchen gesetzliche Regelungen“

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