Joachim Kuhs

 

Rettungspläne für die gefährdete Urzelle

Politikern wird häufig vorgeworfen, sie könnten keine vernünftige Familienpolitik machen, da sie entweder kinderlos sind wie etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel oder mehrfach geschieden und wiederverheiratet wie zahlreiche andere Politiker. Mit dem Amtsantritt von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) schien für viele der Gegenentwurf gefunden: sieben Kinder und dazu Erfolg im Beruf. Die Frau weiß anscheinend, wie es geht. Doch Kritiker verweisen darauf, daß die Ministerin in Wahrheit kein vorbildliches Familienleben führt, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in diesem Umfang rein empirisch einfach nicht zu leisten ist. Die politische Umsetzung ihrer Vorstellung sei zudem durch Kinderabschiebemethoden und Diskriminierung der Ein-Verdiener-Familie gekennzeichnet. Das Wohl der Kinder gerate dabei aus dem Blick. Besonders schwer treffe es Alleinerziehende, die fast ausschließlich gezwungen seien, Geld zu verdienen. Wer aber kann nun gute Familienpolitik für die breite Masse und vor allem zum Wohl der Kinder machen? In Bad Hersfeld kamen am vergangenen Wochenende Menschen zusammen, die meist ehrenamtlich ihren Beitrag zum Thema Familie in der Gesellschaft leisten. Unter dem Motto „Weniger Staat – mehr Eltern – Wie kommen wir dahin?“ hatte das Netzwerk „Familie ist Zukunft“ eingeladen, um Rettungspläne für die gefährdete Urzelle unserer Gesellschaft, die Familie, zu schmieden. Auffallend war, daß neben einigen Kinderlosen vor allem Mütter und Väter mit deutlich mehr als drei Kindern teilnahmen. Daneben brachten viele Experten ihr Fachwissen aus den Gebieten Hirnforschung, Kinderpsychologie sowie Pädagogik ein. Prominentester Gast war jedoch die ehemalige Tagesschau-Moderatorin Eva Herman, die im vergangenen Jahr mit ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte. Ziel der Teilnehmer war es, Ideen zu sammeln, Kräfte zu bündeln, zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen. Es sollte zunächst ein Wir-Gefühl geschaffen und Strukturen entwickelt werden, wie das Netzwerk effektiv arbeiten könne. Die Teilnehmer, die nicht nur beruflich, sondern auch privat grundlegend von dem Thema betroffen sind, ließen eine gewisse Aggressivität gegenüber den Mißständen in Politik und Gesellschaft spüren. Doch statt zu kritisieren und zu schimpfen, zeigten sie eine hohe Bereitschaft, die Ärmel hochzukrempeln und ihren eigenen Beitrag zu leisten. Viele von ihnen tun dies schon ehrenamtlich, indem sie verarmte Familien unterstützen und sich in privat gegründeten Initiativen engagieren. Fehlinformationen soll entgegengewirkt werden Am Ende der Tagung standen einige konkrete Projekte: darunter die Gründung eines Familiennetzwerkes „Ost“ sowie von Schul- und Lehrernetzwerken, die Fehlentwicklungen in der Bildung entgegenwirken sollen. Des weiteren ist im Gespräch, einen Studiengang „Familiologie“ einzurichten, wie er in anderen Ländern schon existiert, um Fachkompetenz in der Ehe und dem Familienleben zu vermitteln. Außerdem soll künftig Fehlinformationen aus Politik und Presse entgegengewirkt werden. „Man hat den Eindruck, daß Familienpolitik versucht, mit Halbwahrheiten zu manipulieren, um bestimmte Interessen durchzusetzen“, sagte Maria Steuer, Mitinitiatorin des Netzwerks. Es gab auch unorthodoxe Ideen wie eine deutschlandweite Demo zum Muttertag, um auf den stark vernachlässigten Beruf der Hausfrau und Mutter aufmerksam zu machen, bis hin zu dem Vorschlag, die Kinder für einige Tage aus der Schule zu nehmen, um zu demonstrieren, daß man mit der teilweise indoktrinierenden Schulbildung nicht einverstanden sei. Außerdem war es ein großes Anliegen, die Kirchen mit ins Boot zu nehmen, um das Familienschiff sicher durch die Stürme unserer Zeit zu geleiten. Unter dem provokanten Motto „Auch Mütter haben ein Gehirn!“ forderte Alexandra Maria Linder, den Begriff „Karriere“ neu zu definieren. Die Mutter von drei Kinder, die sich ehrenamtlich in der Aktion Lebensrecht für Alle (Alfa) engagiert, mahnte an, daß Schwangerschaft und Muttersein oft als beruflicher Untergang gesehen werden, obwohl es sich in Wahrheit um eine ernstzunehmende Karriere handele. Dies werde allerdings weder von Gesellschaft noch der Politik erkannt. Außerdem würde die Rolle des Mannes und Vaters heute systematisch zerstört. Dies deckt sich mit den Aussagen von Eva Herman, die in ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ unter anderem auch diese Mißstände anprangert und sehr anschaulich belegt. Herman möchte ihren Teil zum Netzwerk beitragen, indem sie ihm den Erlös ihres im Februar erscheinenden neues Buches zugute kommen läßt. In diesem Buch sind die Reaktionen der Menschen auf „Das Eva-Prinzip“ gesammelt. 95 Prozent der Zuschriften, die sie erhalten hatte, seien positiv gewesen, berichtete die Autorin. Die Menschen hätten ihre persönliche Geschichte aufgeschrieben und damit quasi belegt, daß Hermans Thesen durchaus nicht so abenteuerlich sind wie in der Presse vielfach dargestellt. Das Familiennetzwerk sieht sich selbst als eine Familienlobby und nicht als einen elitären Kreis, der einen aggressiven Gegenpol zur Politik bilden will. Ziel der Kampagne ist es laut Steuer, daß sich alle dem Netzwerk anschließen, denen die Familie am Herzen liegt.

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