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Zu einem Konservativen gereift

Vor einem Jahr konnten wir in dieser Zeitung anläßlich seines 75. Geburtstags am 10. März noch seine „beneidenswerte Vitalität“ rühmen und uns der Hoffnung hingeben, „noch lange die schonungslosen Analysen dieses bewährten politischen Journalisten lesen zu dürfen“. Das Schicksal hat es anders bestimmt: Fritz Schenk erlag am Donnerstag der vergangenen Woche in Frankfurt/Main den Folgen eines Herzinfarktes, den er zwei Wochen zuvor erlitten hatte. Damit wurde ein Leben vollendet, das geprägt war durch die umwälzenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Ereignisse, die Fritz Schenk nicht nur erlebt und, wie andere auch, erlitten hat, sondern in die er auf vielfache Weise kommentierend und gestaltend eingreifen konnte. Geboren 1930 in Helbra im Harz, heute zur Lutherstadt Eisleben gehörig, stand seine Kindheit in einem sozialdemokratischen Elternhaus unter dem Eindruck der Erfahrungen im Dritten Reich und im Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 wollte er aktiv dem Wiederaufbau in Deutschland dienen. Die politische Grundlage dafür war die Mitgliedschaft in der 1946 aus der Zwangsvereinigung von SPD und KPD hervorgegangenen Sozialistischen Einheitspartei, der SED. Wie so oft in der turbulenten Nachkriegszeit mit ihrem eklatanten Mangel an fähigen, aber „unbelasteten“ Mitarbeitern war auch seine Karriere anfangs steil. Schon mit 22 Jahren brachte Schenk es zum engen persönlichen Mitarbeiter von Bruno Leuschner (1910-1965), einem im „antifaschistischen Kampf“ bewährten Altkommunisten, der als Mitglied und Vorsitzender der Staatlichen Plankommission in der SBZ und frühen DDR einer der Väter der dortigen Planwirtschaft wurde. In seinem Umfeld hatte Fritz Schenk intimen Einblick in das realsozialistische Wirtschaftssystem, dessen nicht behebbare Mängel dem intelligenten jungen Mann nicht verborgen blieben. Die Ernüchterung blieb nicht aus. 1957 flüchtete Fritz Schenk in den Westen. Seine Erfahrungen im kommunistischen Machtapparat hatten ihn zum überzeugten Antikommunisten gemacht. Sie wurden zur Grundlage seines weiteren Wirkens als Journalist, im Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands, der damals noch Pläne für den Fall der Wiedervereinigung entwickeln durfte, und als Abteilungsleiter im Gesamtdeutschen Institut. Als Fritz Schenk in den 1970er Jahren als Stellvertreter Gerhard Löwenthals in die Leitung des ZDF-Magazins im Zweiten Deutschen Fernsehen eintrat, wurde er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Es war die große Zeit der politischen Magazine im damals noch ausschließlich öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen. Die meisten dieser Formate wurden von Journalisten gestaltet, die tendenziell „links“ eingestellt waren, im Sozialismus vor allem das Streben nach „sozialer Gerechtigkeit“ sahen und folgerichtig auch die durch den Stalinismus beeinflußten Verhältnisse in der DDR immerhin als eine „Möglichkeit“ zur Gestaltung einer besseren Zukunft betrachteten. Grundlegende Kritik am real existierenden Sozialismus der DDR war von dieser Seite nicht zu erwarten. Die einzige Ausnahme war das von 1969 bis 1988 ausgestrahlte ZDF-Magazin, in dem die unmenschlichen Folgen des sozialistischen „Experiments“ in der DDR nicht nur nicht verschwiegen, sondern oft in den Mittelpunkt der Sendungen gestellt wurden. Das störte die Kreise nicht nur der SED-Führung in Ost-Berlin, sondern auch der vielen „Entspannungsfreunde“ in der Bonner Republik. Da das ZDF in weiten Teilen der DDR empfangen werden konnte, wurde das Magazin aber eine der wichtigsten Informationsquellen für die dort lebenden Deutschen, ein Sprachrohr für ihre Probleme und ein Träger der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Gerhard Löwenthal und Fritz Schenk gehörten vor allem seit der unvergeßlichen Sendereihe „Hilferufe von drüben“ in der DDR zu den bekanntesten westdeutschen Journalisten, von den einen gehaßt, von den vielen anderen um so mehr geliebt. Sie haben dazu beigetragen, daß im Herbst 1989 Millionen Deutsche in der DDR auf die Straße gingen und das Regime zum Einsturz brachten, auch wenn zu dieser Zeit das ZDF-Magazin von den Verantwortlichen längst abgeschaltet worden war. Fritz Schenk war 1972 aus der SPD ausgetreten, sicherlich auch wegen Bedenken gegen die neue Ostpolitik der Regierung Brandt/Scheel, vor allem aber wohl, um in seinem beruflichen Umfeld seine parteipolitische Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen. Erst 1999, als er aus dem ZDF ausgeschieden war, wählte er die CDU als Plattform seines künftigen politischen Engagements. Auch das ging allerdings nicht lange gut. Im Herbst 2003 wurde der CDU- Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann wegen einer prodeutschen und definitiv nicht antisemitischen Rede zum Tag der deutschen Einheit dennoch in der Öffentlichkeit des Antisemitismus bezichtigt und von der Unionsführung kaltherzig und erbarmungslos aus Partei und Fraktion verstoßen. Fritz Schenk nahm diese schreiende Ungerechtigkeit nicht tatenlos hin. Spontan organisierte er den Widerstand innerhalb und außerhalb der CDU gegen diese politische Fehlleistung, deren Folgen die Union nicht zuletzt bei den Stimmenverlusten in der Bundestagswahl im vergangenen Jahr zu spüren bekam. Mit Recht sah Fritz Schenk in dem Vorgang vor allem eine Gefahr für die Meinungsfreiheit, die Unabhängigkeit des Abgeordneten und damit für die Demokratie schlechthin. Er hätte es gern gesehen, wenn das Bundesverfassungsgericht Gelegenheit gehabt hätte, sich zu diesem Skandal zu äußern. Vielleicht hat jedoch ihm und seinen Tausenden von Mitstreitern die Entscheidung Martin Hohmanns, in der Bundestagswahl 2005 als unabhängiger Kandidat gegen die CDU ins Rennen zu gehen und damit die Rechtslage einschneidend zu verändern, eine weitere Enttäuschung auch durch dieses Gericht erspart. Der politische Journalist Fritz Schenk ist in seinem langen und insgesamt erfolgreichen Leben zum Konservativen gereift. Die Publikationsmöglichkeiten in dieser Zeitung hat er gern genutzt und damit auch zu ihrer Stärkung beigetragen. Seine Leser und Freunde müssen nun, zu früh, auf seine Beiträge verzichten. Detlef Kühn war von 1972 bis 1991 Präsident des Gesamtdeutschen Instituts in Bonn und von 1992 bis 1998 Direktor der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien. Foto: Fritz Schenk (1930-2006): Von den einen gehaßt, von vielen anderen so mehr geliebt

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