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Ideologische Verbissenheit

Mit Siegmar Gabriel (SPD) hat sich die Kanzlerin einen „würdigen“ Nachfolger des obergrünen Umweltministers Jürgen Trittin ins Koalitionsnest setzen lassen. Mit der gleichen ideologischen Verbissenheit wie sein Vorgänger setzt er den Kampf um den „Atomausstieg“ fort. Damit bahnt sich, neben den Meinungsverschiedenheiten in der Koalition um Grundsätze der Sozial-, Familien-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik, weiterer Konfliktstoff an. Nicht berücksichtigt, wie es denn mit der Konsolidierung der Staatsfinanzen in Deutschland überhaupt – und wann – vorankommen soll. Bedrückend an der neuen Atomdebatte ist vor allem, daß Gabriel sich sachlichen Erörterungen völlig verschließt. Er geht unansprechbar davon aus, daß Kernkraft grundsätzlich zu gefährlich, weil ebenso grundsätzlich nicht zu beherrschen und daher auch nicht zu verantworten sei. Nun will er sich auch nicht mehr mit den Kontrollen und Expertisen der Internationalen Wiener Atombehörde IAEO zufrieden geben, sondern selber zusätzlich „unabhängige“ Experten einsetzen, die den Kernkraftbetreibern in Deutschland auf den Pelz rücken sollen. Da es gegen die Behauptungen von grundsätzlicher Unzuverlässigkeit und unbeherrschbarer Gefährlichkeit von Atomkraftwerken inzwischen sehr handfeste sachliche Argumente und Gegenbeweise gibt, kontert Gabriel nun mit der unwahren Behauptung, Uran, als der derzeit wichtigste bekannte Kernbrennstoff, gehe noch früher aus als Kohle, Rohöl oder Erdgas, weshalb Kerntechnologie eben ein Auslaufmodell zu sein habe – basta. Neben handfesten technologischen Sachverhalten wird von den Anti-Atom-Bewegten vor allem eines überhaupt nicht in Betracht gezogen, was alle umtreibt, denen Nachhaltigkeit und die Sorge um spätere Generationen am Herzen liegt: nämlich die Schonung fossiler Rohstoffe für die Zukunft. Wir wissen längst, daß Kohle, Öl und Erdgas zum Verfeuern in Kraftwerken eigentlich viel zu schade sind. Generationen um Generationen werden diese Rohstoffe viel dringender als chemische Rohstoffe für ganz elementare Lebensbedürfnisse benötigen. Da sollte es schon des Schweißes der Tüchtigen wert sein, darüber nachzudenken, ob man einen Vorteil von Eins zu Dreißigtausend – daß heißt, ein Kilo Natururan bringt die gleiche Menge Elektroenergie wie dreißigtausend Kilo Steinkohle – aus bloßer ideologischer Aversion und Panikmache ausschlagen sollte. Und noch etwas offenbart die grundsätzliche ideologische Verbohrtheit der Anti-Atom-Besessenen: Die totale Unterschlagung der Vieltausenden von Opfern, die insbesondere der Bergbau in seiner Geschichte gefordert hat, und die ihm tagtäglich zum Opfer fallen, die schweren Gesundheitsschäden von Bergleuten nicht gerechnet. Da verfangen auch nicht die Drohbegriffe „Tschernobyl“ und „Harrisburg“. Die Atomkatastrophe in Tschernobyl von 1986 war ein sozialistisches Schwerverbrechen, das so in keinem deutschen, westlichen und inzwischen auch nicht mal mehr in einem russischen Kernkraftwerk geschehen kann. Und im amerikanischen Harrisburg ist 1979 die Reaktorschmelze ohne Strahlungsaustritt unter Kontrolle gebracht worden. Fünfzig Jahre Kernspaltung haben diese Technik inzwischen beherrschbar gemacht, soweit irdische Wesen bereit sind, überhaupt menschliches Handeln als grundsätzlich beherrschbar auszugeben.

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