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Er ist sich treu geblieben

Ein Freund ist von uns gegangen. Fritz Schenk ist tot. Vor wenigen Tagen noch vital und aktiv. Jetzt ist seine Stimme verstummt. Fritz Schenk habe ich viel zu verdanken. Vor allem er war es, der mit seinem Buch „Der Fall Hohmann“ die Absicht durchkreuzt hat, Martin Hohmann schnell, geräusch- und folgenlos zu „entsorgen“. Sein letztes Buchprojekt lag fast 15 Jahre zurück, und er hatte nicht mehr die Absicht, sich in seinem Ruhestand mit einem Buchmanuskript zu plagen. Da wurde im November 2003 die Öffentlichkeit mit dem „schlimmsten Fall von Antisemitismus seit Jahrzehnten“ (Paul Spiegel) aufgeschreckt. In einer Rede zum deutschen Nationalfeiertag hatte ich mich gegen den bösartigen, unbegründeten, aber immer wieder öffentlich erhobenen Vorwurf gewehrt, wir Deutschen seien ein oder gar das „Tätervolk“. Wer sich nämlich gegen diesen ungeheuerlichen Vorwurf nicht wehrt oder ihn gar selbst erhebt, der hat als einzelner oder als Volk keine Zukunft. Um die Absurdität der Unterstellung zu belegen, zog ich Fakten aus der Geschichte der Oktoberrevolution heran. Mit der Überschrift „CDU-Abgeordneter nennt Juden Tätervolk“ verfälschte das ARD-Fernsehen meine Kernaussage in ihr Gegenteil. Nachdem Fritz Schenk sich im einsetzenden Mediensturm den Originalredetext besorgt hatte, war er empört über den miesen Journalismus. Diese Fälschung widersprach allem, was der Altmeister eines fairen Journalismus als handwerkliche Grundlage und Berufsethos ansah. Um so schlimmer, daß praktisch die gesamte Medienlandschaft, einschließlich der „Qualitätsmedien“, der damit vorgegebenen Sprachregelung folgten. Nach einem Gespräch mit dem Münchner Verleger Herbert Fleissner schrieb er praktisch in einem Zug das Manuskript zu „Der Fall Hohmann“ herunter und sich den Frust von der Seele. Zugleich gründete er mit wenigen Freunden die „Kritische Solidarität“, eine Initiative mit dem Ziel der Rehabilitierung von Martin Hohmann. Innerhalb weniger Wochen gaben über 10.000 Sympathisanten ihre Unterstützungsunterschrift. Eine organisatorische Meisterleistung, die den Nerv vieler CDU-Mitglieder und weiterer Demokraten traf. Sein Telefon stand nicht mehr still. Viele Anrufer wollten ihn zu einer Parteigründung überreden. Fritz Schenk war klug genug, nicht den tabubesetzten historischen Vergleich zwischen roten und braunen „Täterrollen“ in den Mittelpunkt zu stellen. Der miserable Umgang mit der Meinungsfreiheit und der quasi diktatorische Anspruch einer Partei über einen vom Volk direkt gewählten Abgeordneten entsetzten ihn. Die Drohung der CDU mir gegenüber: „Entweder Rede ganz zurücknehmen oder Ausschluß“, erinnerte ihn an DDR-Methoden. Diesem Regime hatte er jedoch 1957 bewußt den Rücken zugekehrt. Was dann – für Fritz Schenk nicht unerwartet – folgte, war das übliche Abstrafen des Unbotmäßigen. Hatte er bis dahin manchen Vortrag gehalten, manche Veröffentlichung plaziert, so rissen diese Einladungen schlagartig ab. Schenk hatte sich für die Unperson Hohmann eingesetzt. Folglich wurde er selbst zur Unperson. Jedenfalls da, wo der Zeitgeist herrscht. Er mußte erfahren, daß das schöne Wort vom „herrschaftsfreien Diskurs“ (Habermas) nur für das Selbstgespräch der Linken bestimmt ist. Diese Ausgrenzung hat ihn nicht verbittert. Sein ausgeglichenes Wesen, seine menschenfreundliche Art hat er sich stets bewahrt. Es war fast zwangsläufig, daß er sich journalistisch dann dort betätigte, wo die Scheuklappen nicht zur journalistischen Grundausstattung gehören, bei der JUNGE FREIHEIT. Wenn sein Freund und langjähriger Mitstreiter im ZDF-Magazin Gerhard Löwenthal seine Biographie mit „Ich bin geblieben“ überschrieben hat, so gilt das auch für Fritz Schenk. Er ist sich treu geblieben. Als Journalist, als Demokrat, als Mensch. Martin Hohmann war von 1998 bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Nach einer beispiellosen Medienkampagne gegen ihn wegen einer als „antisemitisch“ kritisierten Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003 wurde er erst aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, später auch aus der CDU ausgeschlossen.

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