Dialog ohne Schwein

Im Jahr 1997 wurde dem Berliner Kindergarten St. Robert -Träger ist die katholische Caritas – der Karl-Kübel-Preis für seinen „modellhaften Beitrag zur religiösen Erziehung in der Familie und zur Begegnung von Menschen verschiedener Religionen“ verliehen. Solche Institutionen beweisen gerade jetzt, daß das friedliche Nebeneinander von Christentum und Islam eben doch Perspektive haben kann – wenigstens auf den ersten Blick. Denn die christliche Kita im ausländerstarken Wedding geht einen ganz eigenen Weg, „die allgemeine Lebensgestaltung ohne Berührungsängste, Reibungspunkte und Konflikte“ zu gestalten. So versichert man dort auf Anfrage, daß es „natürlich“ kein Schweinefleisch für den gemeinsamen Mittagstisch mehr gebe – mit Rücksicht auf moslemische Kinder. „Das gilt dann für alle, darauf haben wir uns geeinigt“, gibt eine Kindergärtnerin stolz Auskunft. Auch in Berlin-Neukölln konnte man den aufkeimenden „Kampf der Kulturen“ befrieden: Dort wurden unlängst schinkenbrotessende Kinder der Richard-Grundschule von moslemischen Mitschülern (etwa 80 Prozent) als „Schwein“ oder „Christ“ beschimpft. SPD-Stadtrat Thomas Blesing räumt dieses Problem auf Anfrage ein. Da es jedoch „kaum noch deutsche Kinder“ in Neukölln gäbe und nun auch islamische Speisevorschriften gölten, „gibt es keinen Anlaß mehr zu gegenseitigen Beschimpfungen“, kann Blesing besänftigen.

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