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Deutschland zittert

Ganz Deutschland zittert um diese Wade“, titelte der Express, die Kölner Kopie der Bild-Zeitung, in der vergangenen Woche kurz vor Beginn jener Fifa-WM-Markenverwertungsaktion, die angeblich auch irgendwie mit Fußball zu tun hat. Wir sind Ballack, du bist Wade … Nun sind selbst die rheinischen Zitterwels-Journalisten der Boulevardzeitung nicht so blöd, daß sie den Schwachsinn glauben, den sie in vollfetten Buchstaben absondern. Augenzwinkernd verkünden sie im kleinen Kreis: Mein Gott, das ist doch nicht wörtlich gemeint. Außerdem sind die Leute eben so, die wollen doch vereimert werden. Na denn Prost! Wollen die Leute das wirklich? Oder wollen hier diejenigen, die über das Geld, die Politbüros, die medialen Lautsprecher verfügen, daß es exakt so sein soll: Der kleine Mann auf der Straße (der gemeine Mann hieß es ehedem, als Gemeinheit noch etwas Anständiges war) glaubt alles, kauft alles, zahlt alles? Anschließend soll er sich gefälligst durch den Kakao und andere braune Brühen ziehen lassen und nicht aufmucken gegen all die, die auf seine Kosten das Land gegen die Wand fahren. Und damit die beste aller Welten auch wirklich so bleibt, wie sie ist, wird das Volk auf der einen Seite atomisiert in unzählige Modeszenen, Jugend- und Sonstwas-Subkulturen und auf der anderen Seite hineingepreßt in ein total totalitäres Super-Kollektiv. Dieses propagandistisch erzeugte und zu Übergröße aufgeblähte Schwindeldeutschland ist derartig infam, daß im historischen Vergleich die Nazi-Volksgemeinschaft und die Nationale Einheitsfront des demokratischen Deutschlands in der DDR wie halbherzige Vorversuche wirken. Ob der berechtigte Widerstand gegen neonazistische Umtriebe mißbraucht wird, um beim angeblichen Aufstand der Anständigen die Volksseele aufzuhetzen gegen alle Rechtsabweichler, ob die Berliner Blockparteien die spontane Friedenssehnsucht und Solidarität der Menschen ausnutzen, um für ihre neokolonialen Feldzüge der Bundeswehr im Kongo oder im Kosovo zu trommeln, oder ob die selbstverschuldeten Kassen- und Verschuldungsprobleme unseres Staates dafür herhalten müssen, noch dreister das Familiensilber zwischen den regierenden Hasardeuren und Marodeuren aufzuteilen – immer wird von den Propagandaministern und -ministranten dem Volk eingepeitscht, was es zu tun hat. Und das Volk darf auf Zuruf zittern oder wie Ballacks Wade dazu dienen, um zu schießen und sich vom Gegner treten zu lassen. Rolf Stolz ist Mitbegründer der Grünen und lebt als Publizist in Köln.

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