Werteunordnung

Nicht sehr lange ist es her, daß Friedrich Merz versuchte, eine Debatte über die Leitkultur in Deutschland anzustoßen – seine Partei ließ ihn im Stich, der Begriff wurde fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Jetzt haben Edmund Stoiber und Angela Merkel, ermutigt durch die konservative Welle in den USA, das Thema entdeckt und sprechen von Nation, Patriotismus und dem Scheitern der multikulturellen Gesellschaft. Ob das nicht nur taktisch gemeint ist, darf vorerst bezweifelt werden. Zu lange sind in der CDU die Exponenten des rechten Flügels marginalisiert worden. Und von einer allgemein akzeptierten Werteordnung, die ja immer auch eine Rangordnung von Werten ist, kann weder in Deutschland noch in der Union die Rede sein. Im Bundestag sitzen mindestens zwei Parteien, die FDP und die Grünen, deren Führung den Hedonismus, der bekanntlich auf der untersten Stufe einer Werteordnung rangiert, an deren Spitze gesetzt hat. Die Verkündung von Werten oder, um mit Platon zu sprechen, von Ideen, bleibt folgenlos, solange keine konkreten Konsequenzen gezogen werden. Traut sich die Union zu, Front gegen die massenweise, steuerfinanzierte Abtreibung zu machen? Stellt sie sich endlich gegen die Reduktion der mehr als tausendjährigen deutschen Geschichte auf zwölf Jahre? Warum hat sie nicht dafür gekämpft, daß der Katholik Buttiglione EU-Kommissar werden durfte? Und außerdem wüßten wir gerne, ob eine unionsgeführte Regierung den EU-Beitritt der Türkei verhindern wird, falls sie die nächsten oder übernächsten Wahlen gewinnt. Überfällig ist auch eine ehrliche Diskussion über die Ausländerpolitik. Die auch von CDU-Regierungen zu verantwortende Einwanderung hat immense finanzielle Kosten verursacht und den Zusammenhalt der Gesellschaft ausgehöhlt. Es ist billig, die Integration von Ausländern zu fordern, nicht aber zu sagen, was geschehen soll, wenn sie sich nicht integrieren wollen. Warum sind Anreize zur Rückwanderung in außereuropäische Länder immer noch tabu? Warum wird, um ein sehr konkretes Beispiel zu nennen, die Leistung von Sozialhilfe nicht auf die eigenen Bürger beschränkt, und warum wird statt dessen zur Einwanderung in den Sozialstaat eingeladen? Eine selbstbewußte Nation, die die Deutschen erst noch werden müssen, hat es nicht nötig, einen Kampf der Kulturen zu proklamieren oder sich mit dem Verbot von Kopftüchern aufzuhalten. Sie ist gastfreundlich und weltoffen, wacht über ihre Souveränität und setzt die Regeln, die im eigenen Haus gelten. Dr. Bruno Bandulet ist Herausgeber des DeutschlandBriefes und des Finanzdienstes G&M.

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