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Gratwanderung

Es gibt Menschen, die wollen am liebsten keine sein. Sie glauben der Paradies-Schlange und denken, sie seien schon wie Gott oder kurz davor. Statt auszugehen von der offenkundigen Fehlerhaftigkeit, Beschränktheit und moralischen Fragilität unserer Gattung, versetzen sie sich in einen schönen Wahn und sind dann die Supermänner, die alles lenken und alles richtig machen. Aus einer solchen geistlosen und wirklichkeitsfremden Selbstsicht ergibt sich zwangsläufig und geradezu zwanghaft der Wunsch, es hundert Prozent richtig zu machen und hundertprozentige Feinde hundertprozentig zu vernichten. Im Ergebnis geht es dann mit hundertprozentiger Sicherheit daneben, denn in dieser Welt ist immer nur etwas und nie alles zu erreichen, hat niemand nur recht oder nur unrecht. Nehmen wir zwei Beispiele, aus denen zu lernen ist, wie man es besser nicht machen sollte. Das erste stammt aus der jungen freiheit wo Andreas Wild unter der Überschrift „Literarischer Müll, politische Pleite“ Günther Wallraff „Lügen und Hetzereien“ vorwarf und so tat, als seien Wallraff zweifelsfrei Stasi-Spitzeleien nachgewiesen (JF 37/03). Selbst einem erwiesenen Stasi-Mitarbeiter gegenüber aber gelten elementare moralische und journalistische Gebote der Fairneß und Vorurteilsfreiheit. Meine persönlichen Erfahrungen mit Wallraff, u. a. auf einer gemeinsamen Reise nach Ankara zum Prozeß gegen die islamistischen Sivas-Attentäter 1994, raten mir, bis zum Beweis des Gegenteils seinen Worten zu glauben. Zweites Beispiel: Mir, der seit langem den Islam kritisiert und den Islamismus bekämpft, stößt es mehr als sauer auf, wenn ein womöglich wohlmeinender, aber ausgesprochen unklarer Zeitgenosse jeder seiner elektronischen Botschaften einen lateinischen Spruch anhängt, in dem er Catos Aufruf zur Vernichtung Karthagos abwandelt zu der Aussage, der Islam solle „mit den Mitteln des Geistes“ zerstört werden. Weltweit stehen die Kräfte der Demokratie und des Pluralismus im Abwehrkampf gegen das Vordringen eines teils orthodoxen, teils fundamentalistischen Islams und gegen den islamistischen Terror. Weltweit muß der Islam zu Selbstbeschränkung und Reformen gebracht werden – und wir sollen gegen die Religion Islam zu Felde ziehen, um sie zu zerstören, wir sollen das Unwahrscheinlichste versuchen und das uns Mögliche unmöglich machen? Bei den unvermeidlichen politischen Gratwanderungen sollte man eben nahe an der Gratmitte und auf festem Grund bleiben und nicht voller Elan vom äußersten Rand weiter vordringen – nach dorthin, wo nur noch der Absprung in den Abgrund bleibt. Rolf Stolz ist Mitbegründer der Grünen. Heute lebt er als Publizist in Köln.

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