Conservare Communication „Grüner Mist“ – nein danke! #GrünerMist 2021

 

Empörung vor allem in Deutschland

Polen und Tschechen, herzlich willkommen in der EU!“ Mit diesen Plakaten begrüßte Jürgen Hösl die alten Nachbarn und neuen Mitglieder der EU. Doch wer glaubt, daß dies nur ein gewöhnlicher Willkommensgruß sei, der irrt sich. Darunter steht geschrieben: „Unsere Justiz arbeitet bereits fleißig, denn Morde verjähren nicht.“ Hösl, Stadtrat der einst von der CSU unterstützten Deutschen Sozialen Union (DSU) in Görlitz, wollte die Polen mit seinen über Nacht in Schlesien, Posen und Masowien angebrachten Plakaten und verteilten Flugblättern auf die Verbrechen der „Befreier“ im Laufe der Vertreibung 1945/46 aus den deutschen Ostprovinzen hinweisen. Zwar ist Hösl Mitglied der Schlesischen Jugend (SJ), doch haben er und seine Mitstreiter ihre Aktion ohne Hilfe und Wissen der SJ durchgeführt. Schon im Januar diesen Jahres legte er das Amt des SJ-Chefs aus familiären Gründen nieder – der 26jährige ist Vater von zwei Kindern. Was auf Hösls Plakaten und Flugblättern zu sehen ist, ist nichts für schwache Gemüter: Bilder von massakrierten deutschen Zivilisten und Wehrmachtsangehörigen. Hösl werden revisionistische Absichten unterstellt Seit 1. Mai 2004, dem Datum des polnischen EU-Beitritts, zieren Hösls Plakaten eine Vielzahl polnischer Städte und Dörfer – bis Hösl und seine Helfer Ende Juli von der polnischen Polizei festgenommen wurden. „Rassenhaß“ und „Verunglimpfung der polnischen Nation“ werfen ihnen die polnischen Behörden vor. Zwar wurden er und seine Mitsreiter nach anderthalb Tagen Arrest entlassen, doch nun droht ihnen ein Gerichtsverfahren. In Polen empörte sich Presse, Rundfunk und Politik über die „antipolnische Kampagne“, und als schließlich mit der Verhaftung offenbar wurde, daß ein Stadtrat aus Görlitz mit von der Partie war, überschlugen sich die Vorwürfe: „Die Leute haben bei der Polizei, der Stadtverwaltung und den Medien angerufen“, so der Bürgermeister von Bunzlau (Boleslawiec), Piotr Roman. Trotz aufgeladener Atmosphäre – so war von „Revanchismus“ und „antipolnischer Hetze“ die Rede -, ließen die Medien schließlich polnische Historiker der Universität Breslau die Aussagen der Plakate prüfen. Manche von ihnen stellen schon heute die vollkommene Unschuld der Polen im Jahre 1945/46 in Frage. Während in Polen Hösls Plakataktion heiß debattiert wird, steht in Deutschland von vorneherein fest: Der gebürtige Nürnberger Hösl habe „revisionistische Ansichten“ und wolle mit „rechtsextremen Mitteln“ die Polen einschüchtern. Dies schreibt etwa die Sächsische Zeitung, bis 1990 SED-Bezirksorgan und immer noch meistgelesene Abozeitung in Ostsachsen. Das Blatt startete eine regelrechte Kampagne gegen den DSU- Lokalpolitiker: „Leider ist Hösl einer von 38 Volksvertretern … Da kann einem ja angst und bange werden“, stand am 28. Juli in der SZ zu lesen. In der Europastadt Görlitz sei „für Leute vom Schlage Hösls kein Platz“. Was mit dem erst kürzlich gewählten Volksvertreter passieren soll, verriet das Blatt nicht. Tags darauf wurde das Haus Hösls mit der Parole „Zu Schlesien stehen heißt untergehen“ beschmiert, Fensterscheiben wurden eingeworfen. Die Sächsiche Zeitung zeigt sogar Verständnis für die Gewalttäter, denn diese drehten lediglich „die Spirale der Wut“ weiter, „die Hösl in Gang gesetzt hat“. Auch der parteilose Görlitzer Bürgermeister Rolf Karbaum wetterte in einem Brief an seinen polnischen Amtskollegen Ireneus Aniszkiewicz gegen die Plakataktion. In dem Schreiben distanzierten sich Karbaum und die Stadtratsmitglieder von PDS bis CDU von Hösls Initiative. Auch die DSU bekommt inzwischen Bauchschmerzen: „Wir greifen zwar die Inhalte auf, aber diese Methoden unterstützen wir nicht“, meinte der DSU- Kreisvorsitzende Christfried Wiedemuth gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Der DSU-Vorstand sprach sich zwar für Hösl aus, falls der Fall aber einem deutschen Gericht übertragen werde, müsse der DSU-Stadtrat zurücktreten. Wiedemuth erklärte, daß man Hösl in der DSU nicht aufgeben wolle, weil er versichert habe, eine friedliche Lösung mit Polen und Tschechen anzustreben. Was Wiedemuth empört, ist die mediale Hetzkampagne gegen ihn und die DSU. „Man hat in der Sächsischen Zeitung einen ‚Steckbrief‘ über meine Person veröffentlicht, worin auch meine Privatadresse steht.“ Fast schon ein gefundenes Fressen für die gewaltbereite, linksradikale sogenannte Antifa. Derweil distanzieren sich die SJ und ihr derzeitiger Bundesvorsitzender Christoph Wylezol in einer Erklärung von ihrem ehemaligen Vorsitzenden und warnen gar: „Mit Hösl wird der Stadtrat große Probleme bekommen.“ Foto: Angriffsziel Hösl-Büro in Görlitz: „Spirale der Wut“, Umstrittenes Plakat in Schlesien

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