Montenegrinische Geheimnisse Carl Gustaf Ströhm

Das ist das dunkle Antlitz Montenegros“: Mit diesen Worten zog ein alter Mann Bilanz, der nach Jahrzehnten der Emigration jüngst in seine Heimat ins „Land der schwarzen Berge“ zurückkehrte: Marko Milanovic Piper gehört zu den alten und angesehenen Familien des kleinen Balkanlandes, das bis 1918 eine selbständige Monarchie war. Dem alten Herrn ging es gegen den Strich, daß im heutigen „demokratischen“ Montenegro immer noch die kommunistischen Partisanen und ihre angeblichen Heldentaten gefeiert werden. In keinem anderen der während des Zweiten Weltkrieges unterjochten Länder hätte es ähnliche Verhältnisse gegeben wie in Montenegro, schreibt Milanovic in seinen Memoiren, die jetzt von der Belgrader Zeitschrift Pogledi veröffentlicht wurden. Für die kommunistischen Partisanen galt keine Genfer Konvention. Nirgendwo sonst wurde tagtäglich so oft Brudermord praktiziert, wie in diesem Land. Es gab Fälle, in denen die kommunistischen Partisanen ihre eigenen Väter (die auf der „anderen Seite“ standen) ermordeten und dafür zu Generälen und „Volksführern“ befördert wurden. „Wo sonst in der Welt hat es so etwas gegeben? Hat es solche Verbrechen jemals bei den Kroaten oder Slowenen gegeben?“, fragt der späte Heimkehrer. Für die Kommunisten in Montenegro gab es nur „Befreier oder Quislinge, Guerillakämpfer oder Verräter“. Nach 1945 hätten die titoistischen Sieger die Geschichte geschrieben. Für den besiegten „Quisling“ gab es kein Erbarmen. Die Kommunisten – das waren oft abgebrochene Schüler und verkrachte Studenten, die mit unglaublichem Fanatismus ans Werk gingen. Nicht nur die italienischen Okkupanten, sondern auch alle antikommunistischen oder auch nur nichtkommunistischen Landsleute wurden erbarmungslos erschossen oder erschlagen. Ganze Familien wurden lebendig in ihren Häusern verbrannt. In die Karsthöhlen Montenegros wurden Hunderte (wahrscheinlich sogar Tausende) von Opfern geworfen. Milunovic zitiert eine Direktive des späteren KP-Chefs von Montenegro, Blazo Jovanovic (1907 – 1976), wonach jeder Partisan einen „Angehörigen der fünften Kolonne“ zu erschießen habe. Ein anderer Partisanenführer erklärte: „Denn wenn wir sie nicht umbringen, werden sie es mit uns tun.“ Der heimkehrende Emigrant erwähnt die Höhle von Radovce, 85 Meter tief, in welche Hunderte von Opfern des Kommunismus geworfen wurden: Man zerschlug ihre Schädel mit Hämmern, nachdem man sie vorher gefoltert, ihnen die Knochen gebrochen und manchen die Augen ausgestochen hatte. Viele der Opfer wurden lebendig in den Abgrund gestoßen, der „mehrere hundert unserer Landsleute und Frauen verschlang“. Auch viele italienische Kriegsgefangene wurden erschlagen und in die Höhle geworfen. Einer der kommunistischen Henker habe berichtet, wie die Italiener, bevor sie in die Tiefe gestoßen wurden, Fotos ihrer Angehörigen küßten. Tragisch war auch das Schicksal eines deutschen Piloten, der über Montenegro abgeschossen wurde und sich per Fallschirm retten konnte. Da er sich ein Bein gebrochen hatte, pflegte ihn eine montenegrinische Familie. Man verständigte eine Wehrmachtseinheit, die Soldaten aussandte, um den Flieger zu bergen. Man fand ihn tot vor: der Schädel war von einer Axt gespalten. Darauf erhängten die Deutschen neun Geiseln – aber die Kommunisten behaupteten, diese seien von einheimischen „Verrätern“ umgebracht worden. So birgt Montenegro viele düstere Geheimnisse.

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