Mahnwache mit Klartext

Es ist eine ganz unscheinbare Szenerie, die am Donnerstag letzter Woche zwar nicht den Verlauf der Mahnwache zu Ehren des Jürgen W. Möllemann vor dem Thomas-Dehler-Haus der FDP in Berlin-Mitte, aber sehr wohl das politische Leben des Verstorbenen widerspiegelte. Die Teelichter und Kerzen vor dem Blumengesteck und den Bildern Möllemanns kämpfen mit dem Wind wie einst der Betrauerte selbst mit seinen Gegnern. Und immer wenn das Licht der Kerzen zu erlöschen scheint, schnellt die Flamme ein paar Sekunden später wieder empor; ganz wie das „Stehaufmännchen“ Möllemann. Die Polizei zählte 40 Teilnehmer und noch ein gutes Dutzend Medienvertreter, als die Initiatoren Mark Buchberger (Hamburger FDP-Mitglied), Ronald Gläser (Berliner FDP-Mitglied und ehemaliger Funktionär im nationalliberalen Kreisverband Tempelhof) und Steve Schwittek (Vorsitzender der Freiheitlichen Jugend) die Mahnwache offiziell beginnen. Einfache FDP-Mitglieder und Möllemann-Fans aus Hamburg, NRW und Berlin waren dem in Internetforen kursierenden Aufruf gefolgt, um vor der FDP-Bundesgeschäftsstelle dem charismatischen Politiker die letzte Ehre zu erweisen. Dabei blieb es freilich nicht. Während sich die Initiatoren hinsichtlich der Todesumstände bewußt vorsichtig äußern, finden einige Teilnehmer mit einem Hinweis auf den israelischen Geheimdienst Mossad deutlichere Worte. Die Todesumstände sind zwar Gesprächsthema, aber nicht das vordergründige Anliegen der Initiatoren. In einem Flugblatt und in ihren kurzen Trauerreden lasten sie der FDP-Führung schweres Unrecht an und fordern Konsequenzen. Steve Schwittek verlangt gar deren Rücktritt, da sie die moralische Mitverantwortung für die Mobbingkampagne der letzten Monate träfe. Ganz zum Mißfallen der Mitinitiatoren Gläser und Buchberger, die so weit nicht gehen wollten. Während Mark Buchberger einen Abriß der Geschehnisse liefert, würdigt Gläser das politische Lebenswerk Möllemanns. Die anschließende Schweigeminute wird allein durch den Brummiverkehr gestört. Hohe Vertreter der FDP lassen sich nicht blicken. „Die will ich hier auch gar nicht sehen“, entgegnet Gläser den Journalisten. Nach einer Stunde ist die Mahnwache vorbei. Die Plakate mit dem Konterfei Möllemanns bleiben neben dem Gesteck, den Kerzen und dem Kondolenzbuch zunächst stehen. Immer wieder trägt sich noch jemand ins Buch ein. Die Kamerateams und Zeitungsjournalisten stürzen sich auf die Initiatoren, um ihnen ein skandalträchtiges Wort abzuringen – ohne Erfolg. Und so ziehen sie frustriert wieder ab, ohne den Worten Schwitteks, der an Politik und Medien appellierte, den eingeschlagenen Pfad der political correctness zum Wohle der freiheitlichen Demokratie wieder zu verlassen, noch Beachtung zu schenken.

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