Jobturbos statt Karrierekiller

Die Aktion Lebensrecht für All e.V. (ALfA) will sich neben den Lebensschutz-Themen wie Abtreibung, Euthanasie und den immer relevanter werdenden Fragen auf dem Gebiet der Biomedizin künftig stärker als bislang auch der Familienpolitik widmen. Das erklärte die Bundesvorsitzende Claudia Kaminski auf der Bundesdelegiertenversammlung der ALfA, die Anfang Mai in Königswinter stattfand. Die ALfA ist mit über 10.000 Mitgliedern Deutschlands größte Lebensschutzorganisation. Die Versammlung wurde im Rahmen der diesjährigen öffentlichen Fachtagung mit dem Motto „Lebensrecht für die Familie“ ausgerichtet. Hintergrund für diese thematische Erweiterung der Arbeit der ALfA ist die Tatsache, daß in intakten Familien die Bereitschaft, auch ungewollte Schwangerschaften sowie Kinder mit Behinderungen anzunehmen, besonders hoch sei. Der Mainzer Volkswirt Clemens Christmann legte das Ausmaß der Benachteiligung von Familien systematisch dar. Unter der Überschrift: „Familien – Lastesel der Gesellschaft“ empfahl Christmann anschließend den Abbau der Benachteiligungen von Familien in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie bei der Besteuerung von Familieneinkommen. Zusätzlich solle die Kindererziehungsleistung zu einem eigenen Rentenanspruch führen. Jahrhundertelang haben Kinder ihre alten Eltern versorgt im Rahmen einer innerfamiliären Leistungsgerechtigkeit. Demgemäß solle nun für eine neue „Elternrente“ nur derjenige die volle Durchschnittsrente erhalten, der zwei Kinder großgezogen habe. Kinderlose sollten ab Beginn einer solchen Reform dementsprechend nur die Hälfte ihrer Rentenansprüche ausgezahlt bekommen. Hierzulande finden am Tag tausend Abtreibungen statt Zu bedenken sei, daß fast die Hälfte aller seit den siebziger Jahren geborenen Akademiker kinderlos bleiben werde. Unter der Überschrift „Ist Deutschland noch zu retten? 1.000 Abtreibungen pro Werktag können nicht folgenlos bleiben“ hat die ALfA Informationsmaterialien zu den Auswirkungen von Abtreibungen auf die demographische Entwicklung und die sozialen Sicherungssysteme erarbeitet. Danach wird es nach Meinung von Experten bis 2040 zu einer Verdopplung der Sozialversicherungsbeiträge kommen. Die Eichstätter Psychologin und Heilpädagogin Consuelo Gräfin Ballestrem warnte in ihrem Referat davor, das klassische Familienmodell für überholt zu halten. Frauen und Männer kämen zu voller Entfaltung, wenn sie wirklich Mütter und Väter würden. Auch unter volkswirtschaftlicher Perspektive könne die Bewertung von Familien nicht hoch genug angesetzt werden. Zwar habe man die Familien und vor allem die Mutterschaft so lange so schlecht geredet, daß es kein Wunder sei, daß der Sozialstaat in die Krise geraten sei, doch gebe es längst einen Trend in die entgegengesetzte Richtung. So setze sich etwa unter Personalchefs immer mehr die Einsicht durch, daß Kinder keine „Karrierekiller“, sondern vielmehr „Jobturbos“ seien. Bei einer öffentlichen Tagung der Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V. in Würzburg am selben Wochenende wies deren Vorsitzender Bernward Büchner darauf hin, daß seit nunmehr bald zehn Jahren Fristenregelung im vereinigten Deutschland nach seriösen Schätzungen mehr als zwei Millionen ungeborene Kinder durch Abtreibung getötet worden seien. „Dieser Befund müßte eigentlich schockieren, auch im Blick auf die demographische Entwicklung und ihre verheerenden Folgen“, sagte Büchner. Es sei an der Zeit, daß sich der Gesetzgeber auf seine Korrektur- und Nachbesserungspflicht besinne. Das Bundesverfassungsgericht hatte nämlich die gegenwärtig geltende Abtreibungsregelung nur unter der Voraussetzung für verfassungsgemäß erklärt, daß die Abtreibungszahlen dadurch sinken. Dies ist aber nicht der Fall. Daher trifft das Parlament jetzt die Pflicht, die geltende Regelung im Sinne des Lebensschutzes zu verändern „Von einem erkennbaren Eintreten staatlicher Organe für den Lebensschutz Ungeborener“, so Büchner, „kann keine Rede sein“. Auch das habe zu einem Verfall des Rechtsbewußtseins beigetragen. Das Bewußtsein auf Kosten des Lebens vernebelt Scharfe Kritik übte Büchner an der Verwendung einer Aufklärungsbroschüre an Schulen. Diese war von der Firma Procter & Gamble gemeinsam mit Pro Familia München erstellt worden. Damit gerät der wegen seiner Tierversuche häufig kritisierte Konzern Procter & Gamble, der Hygieneartikel wie die Windel „Pampers“ herstellt, ebenso wie die Beratungsorganisation Pro Familia erneut ins Kreuzfeuer. Die Schrift mit dem Titel „about YOU“ sei zumindest in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen und Niedersachsen an Schulen verteilt und als Unterrichtsmaterial verwendet worden. Was darin über den Embryo, die „Pille danach“ und über den Schwangerschaftsabbruch zu lesen stehe, sei Desinformation und Verharmlosung. Das Bewußtsein Jugendlicher werde auf Kosten menschlichen Lebens vernebelt. Die Juristen-Vereinigung Lebensrecht habe die zuständigen Schulministerien auf die Aufklärungsbroschüre hingewiesen und über deren Inhalt informiert. Die Ministerien der Länder, in denen die Broschüre Verwendung finde, seien nach ihren Antworten offenbar nicht bereit, diese aus den ihnen unterstehenden Schulen zu verbannen. Damit verletzten sie als Aufsichtsbehörden ihre Schutzpflicht für das menschliche Leben. „Es ist besonders schlimm, wenn es verantwortliche Stellen zulassen, daß sich in der schulischen Erziehung unserer Kinder eine Ideologie entfalten kann, in der das Lebensrecht Ungeborener keinen Platz hat“, erklärte Büchner. Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA), Ottmarsgäßchen 8, 86152 Augsburg. Tel.: 08 21 / 5 12 93, Internet: www.alfa-ev.com . Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V., Postfach 50 13 30, 50973 Köln, Tel.: 02 21 / 13 44 78, Fax: 02 21 / 2 22 59 57, Internet: www.juristen-vereinigung-lebensrecht.de .

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