„Gehetzt wie ein Wild“

"Mit einer Hundertschaft von Untersuchungsbeamten hatte die Staatsmacht dem Vizekanzler a. D. aufgelauert. (…) Das alles wegen einer Sache, die als Strafbefehl hätte erledigt werden können. 100 Amtsträger der gleichen Justiz, die überführte Gewaltverbrecher mangels Planstellen oder aus Überzeugung frei herumlaufen läßt. (…) Es ist Unrecht geschehen mit Jürgen Möllemann. Zum Schluß wurde er gehetzt wie ein Wild. (…) Natürlich hatte er Fehler gemacht. Unsere Gesellschaft ist ja bekanntlich nur pseudofrei, und es gibt ungeschriebene Gesetze, deren Verletzung gnadenlos bestraft wird. Möllemanns Streit mit Friedman war ein solches Beispiel: Wo der eine sich alles herausnehmen darf und der andere nichts."

Peter Gauweiler, CSU-Politiker, in der "Bild"-Zeitung vom 10. Juni

"Möllemann war ein Vollblutpolitiker, der Farbigkeit in die Parlamente brachte und sich wohltuend von der Mehrzahl mittelmäßiger Parteisoldaten abhob, die die Parteilinie zu ihrem selbstverordneten Denkhorizont gemacht haben. (…) Er hielt sich nie feige zurück, wenn es galt, eine als richtig und gerecht erkannte Position gegen das Totschweigargument der political correctness und den politischen Gegenwind einer heuchelnden Mehrheit zu vertreten.

(…) Möllemann war der Hoffnungsträger für alle im In- und Ausland, der sich einsetzte für faires außenpolitisches Denken im Umgang mit arabischen Ländern."

Harald M. Bock, Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, am 5. Juni

"Werden uns diejenigen Rechenschaft geben, die auf niederträchtige Weise versucht haben, sowohl den Menschen Jürgen Möllemann wie auch sein politisches Lebenswerk zu zerstören, für das er mehr als 30 Jahre leidenschaftlich mit Herz und Seele gekämpft hat?"

Carola Möllemann-Appelhoff, seine Witwe, in ihrer Traueranzeige am 10. Juni

"Möllemann war als Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft ein großer Verfechter der arabischen Sache und hat auch in der Wirtschaftsförderung sicherlich seine Verdienste. Er war hier sehr angesehen und wurde als Freund betrachtet."

Peter Göpfrich, Geschäftsführer der Deutsch-Arabischen Handelskammer in Kairo, am 5. Juni

"Er war eine Kämpfernatur. Er hat ja nie aufgegeben, sondern wenn er einen Rückschlag erlitten hatte – und das ist nicht nur einmal geschehen -, hat er wieder angefangen, hat neu begonnen, hat auch die Fähigkeit gehabt, sich mit den Gegnern von gestern auszusprechen und zusammen einen neuen Anfang zu versuchen. In das Bild eines solchen Menschen paßt schlecht die Vorstellung, daß er dann plötzlich gesagt hat: ‚Nein, ich will nicht mehr kämpfen‘. Daß er selbst seinem Leben ein Ende gesetzt hat, paßt für mich nicht zur Persönlichkeit."

Hans-Dietrich Genscher, Ex-FDP-Vorsitzender, im Deutschlandfunk am 6. Juni

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