Für Nation und Christentum

Am vorvergangenen Wochenende fanden wieder über 200 Besucher den Weg ins tauberfränkische Residenzstädtchen Weikersheim zum feierlichen Kongreß des renommierten Studienzentrums. In seiner Eröffnung nannte der Präsident Klaus Hornung das Studienzentrum Weikersheim eine „Bürgerinitiative zur Stärkung der freiheitlichen Demokratie und des Grundgesetzes gegen die 68er Kulturrevolution“. Im ersten Vortrag stellte der Bamberger Bevölkerungswissenschaftler Josef Schmid fest, nur Deutschland führe eine „Geisterdebatte“ um das Verschwinden der Nationen zugunsten eines europäischen Bundesstaates. Oder, wie es Alfred Grosser auf den Punkt brachte: „Frankreich braucht Europa, um weiterzuexistieren. Deutschland braucht Europa, um nicht mehr zu existieren“. Hierzulande hätten wir es mit einer „säkularisierten Priesterherrschaft“ zu tun, die außerparlamentarische Macht mittels eines „medialen Prangers“ ausübe, so Schmid. Es habe sich eine „Selbstbezichtigungskultur“ formiert, deren Träger die Deutschen als „verhinderte Triebtäter“ ansehen – als ob sich unser Volk erneut vom „Dämon“ Nationalsozialismus hereinlegen ließe. Am Samstag charakterisierte der Vorsitzende des Bismarck-Bundes, Uwe Greve (CDU), die derzeitige „Multiminoritätengesellschaft“, in der sich „Randgruppen in den Mittelpunkt drängen“ und entsprechend bestimmend für alle werden. „Werteverfall“ sei diesbezüglich ein unscharfer Begriff, vielmehr liege gezielte „Wertezerstörung“ vor. „Hätten wir eine freie Presse, würde über die drohende Verslumung diskutiert, die uns Verhältnisse bescheren wird, wie sie in den Vororten von Paris bereits bestehen“. Denn Zuwanderer mit anderer kultureller Identität integrierten sich nicht, sondern separierten sich. Dergleichen werde im Fernsehen nur noch zu mitternächtlicher Stunde von Phönix gesendet. Greve übte nicht nur Kritik, sondern unterbreitete zahlreiche Vorschläge zu einer besseren Familienpolitik. Michael Stürmer rief mit der ihm eigenen rhetorischen Stärke ins Bewußtsein, daß nur eine an der gegenwärtigen Macht- und Interessenlage orientierte Realpolitik von außenpolitischem Erfolg sei, und nicht die von großen Worten und geringen Einflußmöglichkeiten gekennzeichnete Schröder-Linie. Mit anderen Worten: „Bismarck statt Wilhelm II.“, denn niemals seit 1949 sei die Bundesrepublik so sehr in die Selbstisolierung und Unberechenbarkeit abgeglitten wie jetzt. Wjatscheslaw Daschitschew, ein Freund und häufiger Gast des Studienzentrums, der kurzfristig für den erkrankten Manfred Rommel einsprang, erläuterte seine Entwicklung zum Gegner hegemonialer Politik, die er anhand Immanuel Kants „Zum ewigen Frieden“ und dank der Schriften General Ludwig Becks bereits in den frühen siebziger Jahren genommen hatte. Als ehemaliger Berater Michail Gorbatschows konnte er einmal mehr exklusive Informationen über die sowjetische und russische Politik der vergangenen Jahrzehnte bieten. Das Studienzentrum Weikersheim verkriecht sich nicht im Schmollwinkel, sondern betreibt eine gezielte Kommunikation mit maßgeblichen Politikern. Dies geschieht mittels „stiller Diplomatie“, aber auch in Form von Auftritten von Christdemokraten wie Roland Koch (2002) und Wolfgang Schäuble (2003) im Rittersaal des Schlosses. Letzterer erörterte zahlreiche Fragestellungen aus Politik und Gesellschaft. Er fragte, wo der Protest der „Friedens“-Demonstranten angesichts der afrikanischen Völkermorde wohl stattfand. An anderer Stelle mahnte er ausländische Eltern, eigenverantwortlich ihren Kindern ein gutes Deutsch beizubringen, anstatt dies der Schule und dem Kindergarten zu überlassen. Günter Rohrmoser belegte in seiner „Sonntagspredigt“, daß die Forderung des Studienzentrums Weikersheim nach einer konservativen Erneuerung auch in betont linksliberalen Blättern erhoben wird, die das Weikersheimer Zentrum jahrelang als „reaktionär“ schmähten. Mit seiner üblichen Eindringlichkeit mahnte er, die politische Klasse müsse definieren können, was die geistigen Grundlagen Deutschlands sind: Nation und Christentum. Hornung fühlte sich diesbezüglich an Fichtes „Reden an die deutsche Nation“ erinnert, wobei die einstigen französischen Besatzungstruppen in Berlin durch bestimmte linke Medien von heute ersetzt worden seien. Dem Kongreßpublikum lag eine Petition vor, die der Hamburger Kaufmann Heiko Peters verfaßt hatte. Unterzeichnet wurde sie unter anderem von Hornung, Daschitschew, Greve und Joachim Schäfer. Darin wird der Staat aufgefordert, den „Verkauf des von den Kommunisten geraubten Eigentums schnellstens einzustellen“ und es statt dessen „sofort den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben bzw. für gerechte Entschädigungen zu sorgen“. Dies würde den Rechtsfrieden wieder herstellen und die Wirtschaft der östlichen Bundesländer spürbar beleben, da die Klein- und Mittelbetriebe überproportional Arbeitsplätze schaffen. Sind bereits Immobilien an andere, neue Eigentümer verkauft, so habe der Staat die Alteigentümer mittels übertragbarer und frei handelbarer Steuergutschriften zu entschädigen, die bei Investitionen auf dem Gebiet der Ex-DDR im vollen Umfang zum Tragen kämen. „Das einzige, was jetzt noch fehlt, sind mutige, gerecht denkende und tatkräftige Politiker, die bereit sind, endlich zu handeln“, so Peters. Kontakt: Studienzentrum Weikersheim, Hauffstr. 12, 70771 Leinfelden-Echterdingen. Die Dokumentation „Verteidigung der Freiheit – Erneuerung der Erziehung und Bildung“ kann dort für 6 Euro bezogen werden.

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