Der Spieler

Der tschechische Schachgroßmeister und konservative Publizist Ludek Pachman ist vergangenen Donnerstag im Alter von 78 Jahren in Passau gestorben. Der Trauergottesdienst soll am 17. März in der Passauer Ägidius-Kirche stattfinden. Geboren am 11. Mai 1924 in Weißwasser im Landkreis Böhmisch Leipa, wurde Pachman als Siebzehnjähriger wegen seiner Teilnahme an einer Studenten-Demonstration inhaftiert und wochenlang von der Gestapo verhört. 1945 trat er der Kommunistischen Partei bei und engagierte sich in einer marxistisch orientierten Widerstandsgruppe in Prag. Nach dem Krieg arbeitete er als Sekretär des Zentralen Gewerkschaftsrates und widmete sich dem Schachspiel. Bereits 1946 gewann er zum ersten Mal die Landesmeisterschaft in der damaligen Tchechoslowakei, anschließend verteidigte er den Titel sechsmal erfolgeich. 1954 stieg er zum internationalen Schachgroßmeister auf. Im Juli 1967 wurde Pachman wegen regimekritischer Äußerungen während des IV. Schriftsteller-Kongresses in Prag aus der Redaktion der Sporttageszeitung entlassen. Seit dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag im August 1968 leitete er eine oppositionelle Gruppe und nahm an zahlreichen Protestveranstaltungen teil. Ein Jahr später, am 21. August 1969, wurde er wegen Unterstützung des Prager Frühlings festgenommen; in der Haft mußte er schwere Mißhandlungen erdulden, die er nur knapp überlebte. Die Erfahrungen jener Zeit bekehrten ihn zum Christentum. So antwortete er im Fragebogen der JUNGEN FREIHEIT (JF 29/00) auf die Frage, welches Buch ihn nachhaltig beeinflußt habe: „Die Bibel, wenn ich sie auch erst mit 47 Jahren kennenlernte.“ Aufgrund internationaler Proteste wurde Pachman im November 1972 zusammen mit seiner Frau Euzenie nach Bayern abgeschoben. Zwei Jahre danach schilderte er seine Erfahrungen mit dem Marxismus in dem Buch „Gott läßt sich nicht verbannen“ (Herder Verlag). In Deutschland war er von 1974 bis 1977 Mitglied der deutschen Schach-Nationalmannschaft, im Jahr darauf gewann er die deutsche Einzelmeisterschaft. 1982 veröffentlichte er ebenfalls im Herder Verlag seine – inzwischen längst vergriffenen – Erinnerungen unter dem Titel „Zug um Zug – Ein Leben zwischen Schach und Politik“. Von 1985 bis 1989 leitete er am Christophorus-Gymnasium in Altensteig im Schwarzwald ein pädagogisches Schulprojekt, das Schach als Pflichtfach vorsah. Nebenher war er journalistisch tätig, schrieb Artikel für die Welt, die Welt am Sonntag und die Berliner Morgenpost – ab Mitte der 1990er Jahre auch für die JUNGE FREIHEIT – und engagierte sich politisch. 1981 gründete er als CDU-Mitglied zusammen mit dem ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal, dem Soziologieprofessor Lothar Bossle sowie dem Unternehmer Ludwig Eckes die „Konservative Aktion“, dessen Vorsitzender er lange Jahre war.

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