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Das Lenin-Denkmal von Stalinstadt Carl Gustaf Ströhm

Gibt es im postkommunistischen Europa eine Nostalgie nach den „guten alten Vor-Wendezeiten“? Auf den ersten Blick erscheint die Frage absurd – acht ostmitteleuropäische Länder stehen an der Schwelle zur EU-Mitgliedschaft. Polen, die Tschechei und Ungarn gehören bereits der Nato an. Erstaunlich aber ist, daß heute zumeist nicht die seinerzeitigen Dissidenten in diesen Ländern am Ruder sind – sondern führende Ex-Kommunisten, die sich zumindest äußerlich gewandelt haben. Sie, die einstigen Absolventen kommunistischer Kaderschulen wie etwa der ungarische Verteidigungsminister Ferenc Juhász, sind heute in Washington und Brüssel gerngesehene Gäste. Ungarns EU-Integration wird Péter Medgyessy (ein früherer KP-Funktionär und Geheimdienstmann) vollziehen – und nicht etwa der bürgerlich-nationale, 2002 abgewählte Ministerpräsident Viktor Orbán. Diese Art von Vergangenheit stört aber die wenigsten im Westen. In diesem Kontext kommt einem ein Ausspruch des früheren tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel in den Sinn, der kurz nach der Wende ganz nebenbei erklärte, die „samtene Revolution“ 1989/90 der Tschechen und Slowaken sei eigentlich vom KP-Geheimdienst geplant und vorbereitet worden. Die große Zeit der Antikommunisten in den „Reformländern“ war meist nur eine Episode. Der erste nichtkommunistische Regierungschef Ungarns, József Antall, starb an Krebs, ebenso der erste Präsident und Staatsgründer Kroatiens, Franjo Tudjman – zwar ein Ex-Kommunist, der aber die Partei bereits vor dreißig Jahren verlassen hatte. Im vielgelobten EU-Musterland Slowenien verwandelte sich Milan Kucan, der letzte titoistische Parteichef, über Nacht in den ersten demokratischen Präsidenten der pluralistisch-marktwirtschaftlichen Republik südlich der Alpen. Zwei scheinbar voneinander isolierte, aber in Wirklichkeit eng miteinander zusammenhängende Ereignisse vom Juni sprechen Bände: Im Zagreber Sabor, dem Parlament Kroatiens, verließ die Fraktion der SDP – der aus den Kommunisten hervorgegangenen „Sozialdemokraten“ – unter Protest den Sitzungssaal, weil ein Abgeordneter der Opposition gefordert hatte, man müsse nicht nur die Verwendung faschistischer, sondern auch kommunistischer Symbole unter Strafe stellen. Die SDP-Fraktion, die den Ministerpräsidenten und die Mehrheit der Regierungsmitglieder in der Zagreber Linksregierung stellt, protestierte damit gegen die „Verunglimpfung Titos“ – also des 1980 verstorbenen KP-Diktators, der Hunderttausende von Opfern auf seinem Gewissen hat. Und im benachbarten Ungarn beschloß der von Medgyessys Wende-Kommunisten beherrschte Gemeinderat von Dunaújváros (1948 als „erste sozialistische Stadt Ungarns“ unter dem Namen Sztalinváros/Stalinstadt gegründet), das 1989 entfernte Lenin-Denkmal wieder auf dem Hauptplatz aufzustellen. Ungarn ist damit der wohl einzige Nato-Staat, der ein Monument zu Ehren des bolschewistischen Diktators und Anti-Demokraten restauriert hat. Man mag das zunächst als rote Farbtupfer auf dem unbefleckten demokratischen Gewand abtun. Dennoch steckt vielleicht ein tieferer Sinn dahinter. Konservative, „bürgerliche“ und national gesinnte Menschen in den betroffenen Ländern stellen sich heute bereits die Frage, ob letztlich nicht der gewandelte und adaptierte Kommunismus in zumindest einigen der befreiten Länder „trotz alledem“ gesiegt hat.

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